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„Freiräume“ aus fremden Federn

Landessuperintendent Dieter Rathing, Regionalbischof des Sprengels Lüneburg, hat sich vorgenommen, in jedem Monat dieses Jahres einen Text zur landeskirchlichen Initiative „Zeit für Freiräume“ zu schreiben. – Im Juli stammt der Text nicht aus seiner eigenen „Feder“; stattdessen hat er zusammengestellt, was andere Autoren über die Jahrhunderte zu diesem Thema geschrieben haben:

Schafe sind ängstlich und blöd, wenn der Mensch naht; sie haben Schläge und Steinwürfe des Übermuts kennengelernt. Aber wenn er ruhig stehen bleibt und in die Weite starrt, vergessen sie ihn. Sie stecken dann die Köpfe zusammen und bilden, zehn oder fünfzehn, einen Strahlenkreis, mit dem großen, lastenden Mittelpunkt der Köpfe und den andersfarbigen Strahlen der Rücken. Die Schädeldecken pressen sie fest gegeneinander. So stehen sie, und das Rad, das sie bilden, regt sich stundenlang nicht. Sie scheinen nichts fühlen zu wollen als den Wind und die Sonne, und zwischen ihren Stirnen den Sekundenschlag der Unendlichkeit, der im Blut pocht und sich von einem Kopf zum andern mitteilt wie das Klopfen von Gefangenen an Gefängnismauern. (aus: Robert Musil, Nachlass zu Lebzeiten, S. 26)

So erzählt man im Judentum von einem der ganz großen „Wunder“, welches ein chassidischer Rabbi einmal wirkte: Es war auf einer Bahnfahrt; „die Strecke war durch Schneewehen versperrt“, es war ein Freitagnachmittag. Die Männer schaufelten und arbeiteten, um die Strecke freizubekommen; endlich war es soweit, doch da war schon der Sabbat angebrochen, wo kein Zug fahren und kein Rad sich drehen darf. Die Männer fluchten, die Frauen froren, die Kinder weinten, - was tat da der Rabbi? Er breitete die Arme aus über die Männer und Frauen und Kinder, sprach über sie den Segen und wirkte das Wunder: Links vom Gleise stand der Sabbat, rechts vom Gleise stand der Sabbat, doch mitten dadurch fuhr der Zug! – Wo irgend es „Rabbis“ gibt, die selbst das Tabu eines noch so strengen, eines noch so göttlichen Gesetzes durchbrechen, um der Menschlichkeit freie Bahn zu verschaffen, ereignet sich wirklich eines der ganz großen Wunder des Lebens. (aus: Eugen Drewermann, Das Lukas-Evangelium Band 1, S. 323 f.)

So siehe nun hier zumal in meinem Fall, wie schwierig es ist, sich aus Irrtümern herauszuwinden und zu befreien, die durch das Vorbild der ganzen Welt verfestigt und durch lange Gewöhnung gleichsam in Natur verwandelt sind. Wie wahr ist doch das Sprichwort: „Gewohntes zu lassen ist schwer.“ Und: „Die Gewohnheit ist unsre zweite Natur.“ Und wie wahr sagt es Augustin: „Gewohnheit wird Zwang, wenn man ihr nicht widersteht.“ (Martin Luther, 1545)

„Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut.“ (Pippi Langstrumpf)

„Der frühe Vogel fängt den Wurm. Aber die zweite Maus frisst den Käse.“ (Manager-Weisheit)

„In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“ (Augustinus, 354-430, Kirchenlehrer und Philosoph)

„Seht, das Reich Gottes ist mitten unter euch.“ (Lukas 17,21)

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ (Mahatma Gandhi, Rechtsanwalt, Pazifist, Menschenrechtler, 1869-1948)

„Der Vernünftige verliebt sich leicht in Systeme. Er ist immer geneigt, seinen Instinkten zu misstrauen.“ (Hermann Hesse)

„Wenn ein Blatt sich bewegt, wird auch der Baum erzittern.“ (aus Japan)

„Es gibt nur eine falsche Sicht: der Glaube, meine Sicht sei die einzig richtige.“ (Nagarjuna, buddhistischer Lehrer, ca. 2.Jh. n. Chr.)

„Ein jegliches hat seine Zeit, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Kohelet 3,1)

„Man entdeckt keine neuen Weltteile, ohne den Mut zu haben, alle Küsten aus den Augen zu verlieren.“ (André Gide, franz. Schriftsteller, 1869-1951)

„Das Unmögliche ist oft einfacher als das Schwierige.“ (Daniel Barenboim, Stardirigent und Pianist, geb. 1942 in Buenos Aires)

„Jeder Mensch bestimmt das Schicksal der Welt.“ (Martin Buber, jüd. Religionsphilosoph, 1878-1965)

„Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ (aus China)

„Auch sollt ihr […] haben, als hättet ihr nicht! Ich möchte aber, dass ihr ohne Sorge seid.“ (Paulus, im 1. Brief an die Korinther, Kap. 7)

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Tageslosung

Montag, 16. September 2019
Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebet.
Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.


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