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Respekt vor dem Handwerk

Landessuperintendent absolvierte Praktikum auf dem Bau

Anfang August war Landessuperintendent Dieter Rathing eine Woche lang auf der Baustelle der Hitzacker-Dorf eG unterwegs – als „der Dieter“. Der Regionalbischof für den Sprengel Lüneburg ging den Handwerkern zur Hand, baute Gerüste um, fegte die Baustelle und verputzte Wände mit Lehm. „Da ist vor allem zum Ende hin viel Feinschliff gefragt“, hat der Geistliche festgestellt und bei der Arbeit vor allem die Kollegialität der Mitarbeitenden schätzen gelernt: „Allein auf dem Bau geht gar nicht.“

Auf den verschiedenen Baustellen im Hitzacker-Dorf sei ein riesiges Fachwissen am Werk, staunte der Theologe und fügte hinzu: „Ich bin gern dabei, wenn es mit anderen Laien geteilt wird.“ Das Engagement der vielen Menschen für die Idee des interkulturellen 300-Seelen-Dorfes beeindrucke ihn, gestand Rathing gegenüber der Presse. „Das muss man einfach erleben.“

Warum er sich das antut, fünf lange Arbeitstage auf der Baustelle schuftet, während daheim die Arbeit liegen bleibt? „Erst über die kleinen Mühen des handwerklichen Alltags tauche ich wirklich ein und weiß das Ergebnis der Arbeit dann auch zu schätzen“, nennt Rathing ein Motiv für seinen Arbeitseinsatz fern der Landessuperintendentur. Sein Resümee: „Respekt vor der Wand. Respekt vor dem Projekt und Respekt vor dem Handwerk.“

Die Idee zum Betriebspraktikum auf der Baustelle in Hitzacker entstand bei einem Besuch der Dorf-Genossenschaft im Raiffeisen-Jubiläumsjahr 2018. „Da kam mir sofort der Gedanke: Denen möchte ich bei der Arbeit mal näherkommen“, erklärte Rathing. Der leitende Geistliche weiß um fehlenden Wohnraum, steigende Mieten, die Suche nach neuen Wohnformen. In Hitzacker hat er eine Alternative kennengelernt: „Auf die Frage ‚Wie wollen wir morgen wohnen?‘ wird hier eine zukunftsfähige Antwort gegeben: Ökologisch, sozial, gleichberechtigt und selbstbestimmt.“

Genossenschaften böten eine alternative Wirtschaftsform mit hoher Eigenverantwortung und Transparenz. Es gehe um Selbstverwaltung, Selbsthilfe und Selbstversorgung. „Wirtschaften muss nicht nur in Dividenden aufgehen“, hat Rathing erkannt. Das Projekt Hitzacker-Dorf zeige: „Die Kompetenz für Lösungen liegt vor Ort.“

Der Einsatz für sozialen Zusammenhalt sei heute vielerorts vonnöten. Genossenschaften leisteten innovative Beiträge zu lokal-gesellschaftlichen Fragen, betont Rathing. „Geben und Nehmen kommen als eine wichtige Grammatik des Lebens in der Genossenschaft zusammen.“

Hartmut Merten, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Lüneburg

 

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