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Startseite Hilfskonvois Herbst 2017

Hilfskonvoi aus Gomel zurück (Herbst 2017)

Wieren/Landkreis. Sie verbringen durchschnittlich sieben Monate im Krankenhaus. Kleine Patienten im Alter ab anderthalb Jahren liegen am Tropf, tragen ständig eine Kanüle am Handgelenk und  bisweilen einen Mundschutz. Sie leiden an Bluterkrankungen und Veränderungen der Schilddrüse. In den meisten Fällen ist es Krebs, den etwa jedes fünfte Kind nicht überleben wird. Tschernobyl hat den Kleinen die Freude und das Glück der Kindheit genommen.

Die Reaktorkatastrophe von 1986 hat noch kein Ende gefunden. Die damals freigesetzten atomaren Strahlungen spielen sich weiterhin im Verborgenem ab, bauen sich über eine lange Zeit unmerklich im Körper auf, lösen zersetzende Krankheiten aus, von denen immer mehr Kinder betroffen sind, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist. Und die Nachwirkungen der Katastrophe sind wohl auch nach mehr als 30 Jahren noch nicht voll zum Tragen gekommen.

Die Begegnungen mit diesen jungen Patienten in der Kinderhämatologie des radiologischen Zentrums in der weißrussischen Stadt Gomel stießen auch jetzt wieder an die emotionalen Grenzen der Teilnehmer eines Hilfstransportes, der durch den Gomel-Ausschuss des Kirchenkreisamtes initiiert wurde. – Im Januar 2004 wurde in diesem Zentrum die hämatologische Kinderabteilung aufgebaut, die heute 35 Betten umfasst. Ein rund 20-köpfiges Team aus Ärzten, Schwestern und Psychologinnen arbeitet auf dieser Station.

Mit einem Teil der ärztlichen Belegschaft erfolgte ein für beide Seiten informierender Gedankenaustausch.

Spenden aus dem Kreis Uelzen wurden übergeben, die in den vergangenen Jahrzehnten wie auch der Fortschritt der Medizin und verbesserte Medikamente mit dazu beigetragen haben, dass die Heilungschancen der erkrankten Kinder heute bei rund 80 Prozent liegen.

Auf die Bereitstellung von medizinischen Geräten und Medikamenten aus Deutschland sei man immer angewiesen, bedankten sich die Ärztinnen für die Hilfsbereitschaft aus Uelzen.

In der vergangenen Adventszeit hatte ein Helferkreis des Gomel-Ausschusses mit einem Glühweinausschank an den vier Adventssonnabenden unter dem Adventskranz Spenden für die kleine Milana aus Gomel gesammelt. Bei einem Besuch der jungen Familie konnten Brigitte Besenthal und Ulrich Fiedler aus Wieren einen weiteren Teil der Gelder übergeben.

Milana hat die im Januar über ihren sechsjährigen Bruder als Spender vorgenommene Knochenmarktransplantation nach Stabilisierung ihrer Leberwerte gut überstanden. Die jungen Eltern waren zur Zeit der Tschernobyl-Katastrophe selbst noch nicht auf der Welt und mussten ihr Leben umstellen. Der Vater ist Alleinverdiener und erarbeitet sich durch Sonderschichten freie Tage, um einmal im Monat mit der Kleinen in die mehr als 300 Kilometer entfernte Hauptstadt Minsk zu Kontrolluntersuchungen zu fahren. Dazu musste ein PKW angeschafft werden, denn wegen der hohen Infektionsgefahr darf das kleine Mädchen keine öffentlichen Transportmöglichkeiten nutzen.

Bittere Armut herrscht auf dem Lande. Die Landflucht ist unübersehbar. Auch im Gebiet rund um Wetka, etwa 15 Kilometer von Gomel entfernt, leben meist ältere Menschen in den Dörfern. Sie wollen ihre Heimat trotz der immer noch hohen Strahlung nicht verlassen, werden in Altenheimen untergebracht, weil die Kinder auf der Suche nach Arbeit weit in die Städte reisen, sich nicht kümmern können. In einer Sozialstation und einem Altenheim wurden Lebensmittel  und Gehhilfen gebracht.

Und hier erinnern sich die Alten noch an die Tage der Atomkatastrophe, erinnern sich an einen warmen Frühlingstag, als in der darauf folgenden Nacht am 26. April der Reaktor von Tschernobyl außer Kontrolle geriet und eine radioaktive Wolke Richtung Norden zog.  Zwei Drittel des Fallouts legten sich über Weißrussland nieder. Nur, darüber erfuhren die Menschen nichts. Gleichwohl spürten an jenem Morgen, dass etwas nicht stimmt, dass sich irgendetwas für immer verändert hatte. Es fehlten die vertrauten Geräusche, es fehlte das Summen der Bienen, das Gezwitscher der Vögel. Eine seltsame Stille umfing Gomel und seine Umgebung. Noch Tage später am 1. Mai ließ man die Menschen zu den traditionellen Aufmärschen antreten. Sie marschierten über verstrahlte Straßen…

Text/Fotos: Ulrich Bleuel

 

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Hesekiel 36,26

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Montag, 23. Oktober 2017
Befiehl dem HERRN deine Werke, so wird dein Vorhaben gelingen.
Gott ist?s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.


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