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Lasst euch vom Geist berühren!

Wort zum Pfingstfest (04./05.06.2017)

Liebe Leserinnen und Leser,

dass eine Kirche ihr vielleicht wertvolles Taufbecken schützen möchte und darum bittet, es nicht zu berühren, leuchtet mir ein. Vielleicht hat die Gemeinde auch schlechte Erfahrungen gemacht, und irgend jemand hat Unfug mit dem Taufbecken getrieben.

Und selbst wenn das nicht der Fall ist und das Taufbecken vielleicht auch gar nicht wertvoll ist, habe ich Verständnis für so ein Schild: Das Taufbecken ist in jeder Gemeinde ein wichtiger Ort. Hier nimmt Gott den Menschen als sein Kind an, hier empfängt der Mensch, egal ob Säugling oder Erwachsener, den Heiligen Geist.

Im Taufbecken wird der Heilige Geist durch die Taube dargestellt, unter diesem Symbol hat Jesus den Geist Gottes bei seiner Taufe empfangen. Und deshalb ist dieses Foto – auch wenn keine Feuerzungen, von denen in der Apostelgeschichte die Rede ist, zu sehen sind – ein Pfingstbild.

Ein Pfingstbild? Ein Taufbecken, das nicht berührt werden darf? – Erlauben Sie mir mit diesem Foto eine kleine Provokation, denn auch das erste Pfingstfest war für viele eine Provokation. Als Betrunkene wurden die Jünger bezeichnet. Nehmen wir einmal an, dieses Taufbecken würde nicht mehr genutzt. Ich weiß es nicht. Wenn es so wäre, dann ist das Taufbecken ein Spiegelbild unserer Situation am heutigen Pfingstfest. Vielleicht gehen einige noch zum Gottesdienst, andere genießen die freien Tage, machen Kurzausflüge oder eine Pfingsttour mit dem Fahrrad. Und die zum Gottesdienst gehen, sitzen in den Kirchenbänken und tun so, als ginge Pfingsten als ein Geschehen in der Vergangenheit uns gar nichts mehr an.

Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch: Ich freue mich über jeden, der in die Kirche kommt, wo doch so viele nicht mehr kommen, aber noch mehr würde ich mich darüber freuen, wenn wir am Ende des Gottesdienstes nicht aufstünden, gemächlich hinausgingen, zurück in unsere Familien oder zum Pfingstausflug, sondern wenn wir uns berühren ließen, wenn es uns nicht mehr auf den Sitzen halten würde, wenn wir nicht mehr anders könnten, als über das zu erzählen, was uns das Wichtigste ist, der Glaube an Jesus Christus. – Oder kann man dies von und Norddeutschen nicht erwarten?

Zugegeben, draußen vor der Kirche stehen keine Tausende wie beim ersten Pfingstfest in Jerusalem, die von uns Worte des Glaubens erwarten – die stehen heute vielleicht woanders. Trotzdem haben wir und werden wir den Heiligen Geist empfangen, darauf dürfen wir vertrauen, denn er ist uns von Jesus für alle Zeiten zugesagt. Doch lassen wir ihn auch in uns wirken oder hüten wir ihn wie einen Schatz, als könnten wir ihn verlieren, wenn wir ihn mit anderen Menschen teilen?

Wir sind keine Buchhalter Christi, sondern seine Zeugen. Als Buchhalter Christi haben wir das Thema Pfingsten verfehlt. Warum reden wir denn so selten von unserem Glauben? Warum freuen wir uns nicht mehr, dass Jesus Christus in seinem Geist jeden Tag bei uns ist und uns Mut macht zu einem erfüllten Leben?

Sicherlich können wir nicht jeden Tag feiern und tanzen, denn es gibt immer wieder Momente, in denen wir seine Gegenwart nicht spüren oder wir an ihm zweifeln – auch verzweifeln. Aber es gibt doch auch die Stunden, da spüren wir, dass er da ist, dass wir ihm wichtig sind, dass er uns trägt so wie ich das auf vielen Veranstaltungen und Begegnungen auf dem Kirchentag in Berlin und Wittenberg erlebt habe. Nur – kaum ein anderer bemerkt das an uns.

Lassen wir uns vom Geist berühren, damit wir uns rühren. „Rührt euch“, heißt es beim Militär, wenn Stillstehen nicht mehr notwendig ist. In unserem Glauben ist Stillstand nie angesagt. Ich weiß, über seinen Glauben zu reden, kostet erst mal Überwindung. Denn wir geben etwas sehr Persönliches preis. Doch in der Familie, im Freundeskreis und am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft und im Sportverein darüber zu reden und das zu leben, was uns das Wichtigste ist, der Glaube an Jesus Christus und die Auswirkungen auf unser Leben, das wäre doch schon einmal ein Anfang. Das wäre dann auch Pfingsten!

Wir sind getauft. Doch wenn wir unsere Taufe brachliegen lassen, weil der Glaube unseren Alltag nicht mehr prägt, dann sind wir wie ein Taufbecken, das nicht mehr genutzt wird. Deshalb noch einmal: Lasst euch vom Geist berühren! Und dann werden wir – das glaube ich fest – das Wunder von Pfingsten erfahren, das Wirken des Heiligen Geistes mitten unter uns.

Und wie merken wie das? – Hier ein paar kurze Hinweise zum Erkennen des Heiligen Geistes bei den Menschen und in den Kirchen:
Der Heilige Geist taut die unterkühlten Christen auf, sie werden Feuer und Flamme für die Sache Jesu, setzten Zeit und Kraft ein, sind voller Ideen, Phantasie und Mut – sie trauen sich, Christ zu sein und geben sich offen als solche zu erkennen.

Sie sind durch bittere Lehren ihrer Geschichte gebrannte Kinder und bleiben bei aller Begeisterung nüchtern, damit sie nicht den Zeitgeist mit dem Heiligen Geist verwechseln. Ein Unterscheidungsmerkmal ist sicher dies, dass der Heilige Geist sie anecken lässt, dass die Zeitgenossen, die dem Zeitgeist folgen, sie für verrückt oder betrunken halten. Warum sollte es ihnen anders gehen als den Aposteln zu Pfingsten?

Sie sind Begeisterte –aber nicht, indem sie sich selbst loben und auf die Schulter klopfen, sondern sie loben Gott und Christus und wecken mit diesem Lob in Wort und Tat sogar das alt gewordene Geburtstagskind „Kirche“ wieder auf.

Sie entdecken, wer außer ihnen noch desselben Geistes Kind ist, egal aus welchem Gesangbuch er oder sie singt. Sie bestehen weder darauf, dass nun alles gleich auszusehen hat, noch mit einer Stimme zu reden oder zu singen sei. Aber wir sind einig im Lob des Gottes Jesu Christi und suchen in seinem Geist nach guten Lösungen, damit das Leben gelingt – hier und anderen Orten.

Erkennen Sie sich darin wieder? Oder sind Sie noch auf der Suche, Spuren dieses Geistes in sich und in den anderen aufzuspüren? Wo spüren Sie etwas von diesem Geist, von der Begeisterung, die mitreißt und zum Austausch mit anderen führt?

Der Geist Gottes will mehr als nur ein Spurenelement in unserem Leben sein. Er ist da, er weht, es kommt darauf an, ihn hineinzulassen – in unsere Köpfe, in unsere Herzen, in unser Leben. – Lassen sie sich begeistern und anstecken.

Frohe und begeisternde Pfingsten wünscht Ihnen
Ihr Jürgen Bade, Pastor in Bienenbüttel

 

 

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26

Tageslosung

Samstag, 24. Juni 2017
Johannistag
Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt.
Zacharias sprach: Der Gott Israels hat mit einem Eid versprochen, uns aus der Macht der Feinde zu befreien, damit wir keine Furcht mehr haben müssen und unser Leben lang ihm dienen können.

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