• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Startseite Wort zum Sonntag „Also, wenn ich mal ehrlich bin ..."

„Also, wenn ich mal ehrlich bin ..."

Wort zum Sonntag, 11.06.2017 (Trinitatis)

Immer häufiger stellt sich heutzutage nicht nur bei dem, was man im Internet so alles lesen kann, die Frage: Wem kann ich eigentlich noch vertrauen, weil er glaubwürdig und verlässlich ist, mit dem, was er sagt oder schreibt?

Eine Anekdote erzählt von einem gut beleumundeten Bischof bei einem Fernsehinterview. Während des Interviews wird ihm eine relativ harmlose Frage gestellt. Der Bischof denkt kurz nach und sagt: „Also, wenn ich mal ehrlich bin ...", und gibt auf die harmlose Frage seine offenherzige Antwort. Der Fernsehmoderator zuckt kurz zusammen, erstarrt im Gesicht. Was war das? Ein bekannter Bischof und dann sagt er: „Wenn ich mal ehrlich bin."

Offensichtlich hatte der Bischof gar nicht bemerkt, was ihm da passiert war. Er hat eine Floskel benutzt, wie sie zigmal gebraucht wird, „also, wenn ich mal ehrlich bin". Einerseits eine Alltäglichkeit, andererseits kann einen das doppelt nachdenklich machen. Einmal deswegen, weil wir wahrscheinlich alle irgendwelche Redewendungen haben, die wir hier und da ziemlich gedankenlos verwenden. Zum anderen aber auch als ernsthafte Anfrage: Ist es die Ausnahme, dass wir einmal ehrlich sind, so dass dies dann besonders betont werden muss? Und müsste man es dann nicht einfordern, dass immer bewusst dazu gesagt wird, dass es eine ehrliche Aussage ist: Wenn der Politiker seine Wahlversprechen abgibt. Wenn der Handwerker sagt, warum er nicht wie verabredet kommen konnte. Wenn der unerwartete Besuch höflich als höchst willkommen begrüßt wird. Wenn die Absage geschrieben wird oder erklärt, warum so lange keine Antwort kam. Kann man da immer darauf vertrauen, dass das Gesagte ehrlich ist?

Wenn jede Zeit ihre besonderen Versuchungen hat, dann gehört in unserer Zeit dazu, dass man sich auf das Wort anderer oft so wenig verlassen kann. Eine gesunde Portion Misstrauen erscheint grundsätzlich erst einmal angebracht.

Allerdings kann man solche Beobachtungen nicht aussprechen, ohne dabei auch an sich selbst zu denken. Wie steht es denn bei mir? Bei all dem, was ich erzähle, verspreche, behaupte, entschuldigend vorbringe, über andere sage – ist es da die Ausnahme, dass ich „mal ehrlich bin" oder kann man sich auf das verlassen, was ich sage?

Vielleicht müssen wir uns an dieser Stelle gegenseitig ein wenig helfen. Man könnte ja, wenn wieder einmal einer sagt: „Wenn ich mal ehrlich bin", zurückfragen: „Und bist du es jetzt?". Dann würde unser Reden allmählich etwas weniger von Floskeln durchsetzt und unsere Worte verlässlicher. „Eure Rede sei ja, ja oder nein, nein" – es muss stimmen, was ihr sagt, so die Bergpredigt. Und „Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen", dichtet Johannes Herrmann 1630[1]. Eine gute Bitte, wie ich finde.

Pastor Bernd Dauer
Ev.-luth. Kirchengemeinde Wriedel

 



[1]
Evangelisches Kirchengesangbuch (EG) Nr. 495 Vers 3

 

Jahreslosung 2017

Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.
Hesekiel 36,26

Tageslosung

Samstag, 24. Juni 2017
Johannistag
Gott, schweige doch nicht! Gott, bleib nicht so still und ruhig! Denn siehe, deine Feinde toben, und die dich hassen, erheben das Haupt.
Zacharias sprach: Der Gott Israels hat mit einem Eid versprochen, uns aus der Macht der Feinde zu befreien, damit wir keine Furcht mehr haben müssen und unser Leben lang ihm dienen können.

Copyright 2017 Ev.-luth. Kirchenkreis Uelzen. Alle Rechte vorbehalten.