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Der Heilige Geist: Gottes Trost

Wort zu Pfingsten, 20./21.05.2018

Er weint. Weil er gestolpert ist. Nun blutet sein Knie. Nicht doll, aber trotzdem. Er hockt auf dem Bordstein, hält sich das Bein und die Tränen kullern. Bis seine Mama kommt, sich hinkniet, neben ihn auf dem Fußweg. Und pustet. Das hilft. Bald hört der kleine Junge auf zu schluchzen und wischt sich die letzten Tränen aus dem Augenwinkel. Klar: Nicht die Puste an sich hilft. Sondern das Gefühl: ich bin nicht allein. Mama ist da und kümmert sich. Das tröstet ihn.

Sie hat Liebeskummer. Weil Jan sie verlassen hat. Er habe keine Gefühle mehr für sie, hat er gesagt. Und: Wir können ja Freunde bleiben. Dann ist er gegangen. Die Trennung tut ihr furchtbar weh. Sie hat sich in ihrem Zimmer eingeschlossen, will niemanden sehen. Irgendwann ruft Sophie an, ihre beste Freundin. Sie redet sich den Kummer von der Seele. Sophie hört einfach zu. Das tut ihr gut: keine hohlen Ratschläge, sondern ein offenes Ohr. Das Gefühl: verstanden zu werden. Nicht allein zu sein. Das tröstet sie.

Der Tod kam viel zu früh. Eine junge Mutter, mitten im Leben. Und dann, aus dem Nichts, die grausame Diagnose: Krebs. Nur Monate später stirbt sie. Also sitzen wir zum Trauergespräch zusammen: ihr Mann, ihre Eltern und ich. Es wird viel geweint, wenig gesprochen. Dann die Trauerfeier, ich ringe um jedes Wort. Es gibt ja keine Antwort auf das quälende Warum. Hinterher habe ich das Gefühl: ich konnte nicht helfen. Aber drei Wochen später liegt eine Karte in meinem Briefkasten. Von der Familie. Danke, steht dort. Danke, dass Sie diesen schweren Weg mit uns gegangen sind. Dass Sie das Leid ausgehalten haben. Zu spüren, dass wir damit nicht allein sind – das hat uns getröstet.

Getröstet werden – das ist ein urmenschliches Bedürfnis. Dazu ein Blick ist Lexikon: „Trost ist Zuwendung“, steht dort. „Trost kann durch Worte, Gesten und Berührungen gespendet werden. Der Getröstete soll spüren, dass er nicht allein gelassen ist. Dadurch soll sein Schmerz und seine Traurigkeit gelindert werden.“

Keiner von uns kann ohne Trost leben. Wenn das Knie blutet oder die Liebe Kummer macht, wenn Krankheit und Tod uns bedrängen - überhaupt: immer wenn mir etwas zu schaffen und das Herz schwer macht. Dann brauche ich Trost. Eben das Gefühl: ich bin damit nicht allein. Sondern: Da ist einer. An meiner Seite. Und hilft.

Damals. Vor fast 2000 Jahren. In Jerusalem. Jesus ist gestorben, vor ein paar Tagen. Seine Freunde sind traurig, ratlos, verzagt. Sie wissen nicht, wie es weitergehen soll. Tränen fließen. Fragen quälen.

Und dann geschieht ein Wunder. Denn plötzlich sitzen die Traurigen aufrechter, ihr Blick wird klar. Ihr Herz mutig und leicht. Sie können es sich selbst nicht erklären. Aber tief in sich spüren sie: Es ist nicht vorbei. Auch wenn wir Jesus nicht mehr sehen und anfassen können - er ist nicht weg. Gott ist nicht weg. Er ist bei uns, nicht sichtbar zwar, sondern unfassbar wie ein Geist. Aber doch da: spürbar, kraftvoll, behütend. Dieses Gefühl tröstet sie.

Diesen Geist Gottes – geheimnisvoll, nicht (be-)greifbar und doch da – nennt die Bibel deshalb auch: den Tröster.

Weil er uns spüren lässt: Wir sind nicht allein. Gott ist da. Wie eine Mutter, die pustet, wenn wir uns weh tun. Wie eine Freundin, die zuhört und mitfühlt. Wie einer, der auch den größten Schmerz mit aushält.

Gott ist da. Sein Geist weht. Und wir sind nicht allein. Welch ein Trost. – Drum: Frohe Pfingsten!

Pastor Florian Moitje
Ev.-luth. Kirchengemeinden St. Marien Uelzen und Veerßen
Lebensraum Diakonie e. V.

 

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Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

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