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Gott nicht vereinnahmen

Wort zum Sonntag, 05.08.2017 (10. So. n. Trinitatis)

Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist,
dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.
(Psalm 33,12)

Wenn Menschen Gott als Legitimation für ihr Reden und Handeln beanspruchen, macht mich das immer hellhörig. Besonders, wenn sie behaupten, im Gegensatz zu anderen zu Gott zu gehören. Wie oft wurde und wird Gott nicht  für eigene Interessen und Machtansprüche missbraucht! Die Aufschrift „Gott mit uns“ auf den Koppelschlössern deutscher Soldaten war Ausdruck für den Missbrauch des Gottesnamens genau wie heute der Ausruf des muslimischen Gottesnamens bei terroristischen Bluttaten.

Viele Beispiele aus der Geschichte der Religionen bis heute lassen sich hinzufügen. Auch in der Bibel finden sich Erinnerungsspuren. Aber es gibt dort zugleich an vielen prominenten Stellen den unmissverständlichen Widerspruch: Du sollst den Namen deines Gottes nicht missbrauchen! Du sollst nicht töten, nicht lügen, anderen nichts wegnehmen.- Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten wie dich selbst.

Mit Gott lässt sich kein Töten und Morden, keine Menschenverachtung, kein Unrecht rechtfertigen. Er ist kein Gott der Zerstörung und Vernichtung von Leben, sondern der Ermöglichung von Leben.

Darauf zielt auch Psalm 33, aus dem der Wochenspruch stammt. Aus meiner heutigen, zudem christlich geprägten Perspektive endet die Zugehörigkeit zu Gott nicht an der Grenze eines bestimmten Landes, einer religiösen, kulturellen oder sonstigen Zugehörigkeit, mit der ich bestimmte Interessen verbinde. Zu Gott zugehörig darf sich wissen, wer anerkennt, dass Gott Gott ist. Dass nur Gott und kein Mensch absolut vollkommen ist an Wissen und in der Fähigkeit zu Liebe, Gerechtigkeit, Frieden und Versöhnung. Dass kein Mensch Gott vollkommen fassen und begreifen kann, sondern immer nur aus seinem Blickwinkel heraus. Dass aber jeder Mensch in seiner menschlichen Unvollkommenheit Gottes Kind ist.

Ich glaube, wir Menschen tun uns und der Welt gut, wenn wir das wahr sein lassen. Dass wir Gott nicht für unsere eigenen Interessen vereinnahmen, sondern uns immer wieder miteinander bemühen, aus seiner vollkommenen Liebe zu leben und mit unseren Kräften etwas davon weiter zu geben. Im kritischen Dialog und im gemeinsamen Tun – über unsere Grenzen hinweg. Im Vertrauen auf Gottes Liebe, die Hass durch Herzlichkeit, Feindseligkeit durch Freundschaft und Misstrauen durch Zutrauen überwindet. Für mich liegt darin ein Potential, auf das ich in Zeiten wie diesen nicht verzichten möchte.

Pastorin Birgit Hagen,
Klinikseelsorge im Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen

 

 

Jahreslosung 2018

Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

Tageslosung

Montag, 22. Oktober 2018
Wir warten auf dich, HERR, auch auf dem Wege deiner Gerichte.
So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit.

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