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Zur Freiheit befreit

Wort zum Sonntag, 12.08.2018 (11. So. n. Trinitatis)

 „Hatten Sie einen schönen Urlaub?“, werde ich freundlich begrüßt. Der junge Mann kann selbst von Urlaub nur träumen. „Ich würde auch gerne mal wieder in Urlaub fahren“, sagt er. Aber in den nächsten Jahren geht das nicht. Er sitzt im Gefängnis.  Seine Straftaten hatte er begangen, um Drogen zu bezahlen. Im Gefängnis wird er substituiert. Täglich erhält er von der Ärztin einen Ersatzstoff. Seine Ration konnte schon um die Hälfte reduziert werden. Es geht ihm gut damit. Nach seiner Entlassung will er „sauber bleiben“ und nicht wie früher Kokain nehmen. „Nie wieder!“, sagt er. Um an Geld zu kommen, hatte er vor der Halft selbst Angehörige betrogen. Zum Glück hält seine Freundin noch zu ihm. Er will alles dafür tun, dass das so bleibt. „Ich schwöre“, sagt er. Statistisch gesehen jedoch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er nach seiner Entlassung rückfällig wird.

„Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen“, schreibt Paulus vor fast 2000 Jahren. Seine Worte sind noch heute aktuell.  Freiheit will gelernt sein. Und manchmal muss sie erkämpft werden. Aus Abhängigkeiten herauszukommen, bedarf einer großen Konsequenz und Disziplin. Auch wenn Rückschläge nicht ausgeschlossen sind, ist es wichtig, das Ziel nicht aus dem Blick zu verlieren.

„Freiheit“ ist im Gefängnis ein Zauberwort. Jeder kann mit diesem Wort etwas anfangen und es für sich füllen. „Freiheit“ bedeutet in erster Linie, wieder rauszukommen. Aber Freiheit bedeutet eben auch, draußen so zu leben, dass man nicht wieder einfährt. Der junge Mann wird es schaffen müssen, neue Freunde zu suchen und sich konsequent von illegalen Drogen fernzuhalten.

Christen sind zu einem Leben in Freiheit berufen. Und Freiheit ist ein sehr kostbares Gut. Wie schnell man sein Anrecht auf ein freies Leben zumindest zeitweise verspielen kann, wird mir bei meiner Arbeit Tag für Tag vor Augen geführt. Paulus geht davon aus, dass christliche Freiheit ohnehin etwas ist, was Menschen nicht von sich aus erreichen können. Sondern Freiheit ist etwas, was einem geschenkt wird durch den Glauben. Wir werden zur Freiheit befreit. Die Frage ist, ob wir das genügend zu schätzen wissen.

Pastor Carsten Junge,
Gefängnisseelsorger in der JVA Uelzen

 

Jahreslosung 2018

Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

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Mittwoch, 15. August 2018
Der Name des HERRN ist ein starker Turm, der Gerechte eilt dorthin und findet Schutz.
Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

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