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Startseite Wort zum Sonntag Erntedank – oder: Danke für die Toilette

Erntedank – oder: Danke für die Toilette

Wort zum Sonntag, 07.10.2018 (19. So. n. Trinitatis / Erntedank)

Schon immer habe ich eine Toilette im Haus, ist doch normal. Oder etwa nicht? Diese Woche habe ich Post bekommen von meinem Patenkind aus Ghana. Tahiru ist elf Jahre alt und lebt in einem Dorf im Westen Afrikas. Er schreibt mir, dass er sich am meisten freut, dass er jeden Tag in die Schule gehen darf. Und dass dieses Jahr in seinem Dorf, in den Häusern und Schulen, Sanitäranlagen installiert wurden. Endlich können die Menschen Toiletten benutzen. „Verrückte Welt“, denke ich mir. Toiletten sind hier, wo ich aufgewachsen bin, so selbstverständlich, dass ich gar nicht darüber nachdenke. Zur Schule gehen ist so normal, dass Kinder den Nutzen gar nicht mehr zu schätzen wissen. Je länger ich darüber nachdenke, desto deutlicher wird mir: Es geht mir richtig gut.

Am Sonntag feiern wir in vielen Kirchen Erntedankfest. Wir feiern, dass es uns gut geht. Und dabei machen wir uns neu bewusst: Was wir haben, ist nicht selbstverständlich.

Anders gesagt: „Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, oh Gott, von dir, wir danken dir dafür. Amen.“ – Auf den ersten Blick ist in diesem Tischgebet vielleicht von Essen die Rede, oder von meiner eigenen Ernte, die ich trotz Hitze und Trockenheit einfahren konnte. Auf den zweiten Blick umfasst es viel mehr, nämlich alles, was ich bin und habe.

Es gibt Vieles, das nehme ich selbstverständlich hin, obwohl ich nichts dafür getan habe oder tun konnte. Dass ich in Deutschland lebe und nicht im Kriegsgebiet geboren wurde, dass mein Haus aus festem Stein gebaut ist und von keinem Tsunami weggespült wird, dass ich zur Schule gehen konnte und nicht schon als Kind Geld verdienen musste, dass mein Haus eine Toilette hat und die Straße keine offene Jauchegrube ist, dass ich jeden Tag so viel essen kann, wie ich will und nicht ums Überleben kämpfen muss. Für all das habe ich persönlich nichts getan. Es sind Errungenschaften unserer Gesellschaft und letztlich ist es ein Geschenk Gottes. Ihm verdanke ich alles, was ich bin und habe.

Danke für deinen Brief, Tahiru. Du hast mir gezeigt, wie gut es mir geht und ich staune, über welche Selbstverständlichkeiten du dich freuen kannst. So will auch ich mich neu freuen, heute und am Sonntag beim Erntedankfest. Und ich will Danke sagen. Danke, Gott, dass du mich so gut versorgst.

Ann-Kathrin Averbeck,
Pastorin in St.Marien Eimke und St.Michaelis Gerdau

 

Jahreslosung 2018

Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

Tageslosung

Dienstag, 23. Oktober 2018
Was verborgen ist, ist des HERRN, unseres Gottes; was aber offenbart ist, das gilt uns und unsern Kindern ewiglich.
Die Samaritaner sprachen zu der Frau: Nun glauben wir nicht mehr um deiner Rede willen; denn wir haben selber gehört und erkannt: Dieser ist wahrlich der Welt Heiland.

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