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Startseite Wort zum Sonntag Gnade riecht nach Rosen

Gnade riecht nach Rosen

Es gibt Worte, die sind unbegreiflich. „Sola gratia“, hat Martin Luther gesagt und damit gemeint, dass all das, was wir sind und haben, allein aus Gottes Gnade ist.

Sperriger Gedanke, wenn man ihn zu Ende denkt. Auf Haus und Auto blickt und auf all die kleinen und großen Errungenschaften, die man sich selbst im Leben erarbeitet hat. – Ich will ehrlich sein: Theologiestudium und Vikariat, all das hatte mir die „Gnade“ nicht näher bringen können. Gottes Gnade. Das klang für mich nach „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat‘s genommen.“ Und Du, Menschlein kannst nichts tun.

Das war etwas, das unverfügbar war und für alles Mögliche herhalten musste. Den Menschen mit seinen Fähigkeiten klein machte und Gott ganz groß. Und es roch. Roch für mich immer nach dicken alten Wälzern. Nach Sauertopf und nach dem Muff von fünfhundert Jahren. Alt, unbegreiflich, störend.

Und dann war da ein Moment. Nach einem Gottesdienst lag Gnade in der Luft. Ein Geschenk – nein, nicht vom lieben Gott, sondern von einer Frau. – Da stand sie plötzlich vor mir. Redete wie ein Wasserfall. „Ich will auch gar nicht lange stören; leider hab ich Schichtdienst und kann nicht so häufig in die Kirche, wie ich wollte … naja, lieber Gott, auf jeden Fall: das wollte ich Ihnen schenken.“

Wusch, da hatte mich Gnade erwischt. Ich stand da – Pastorin erst seit ein paar Wochen – abgekämpft vom Gottesdienst mit einem Fläschen Rosenduft in der Hand. Ein Geschenk, genau das richtige. Für die Seele. – Unverhofft. Ein Geschenk. Mir in die Hand gelegt. Und es duftete. So zart, wie Rosen am frühen Morgen riechen.

Für einen Moment war sie da und breitete sich aus in der Luft. Ich war überwältigt und stammelte wohl etwas. Das Danke kam erst später. – Aber dieser Moment mit ihr, da hatte sie mich erwischt. Die Gnade.

Die macht, dass das Herz sich freut. Die große, kleine Gnade. Unbegreiflich. Nicht mit den Händen greifbar – wie ein Duft. Sie macht einen Moment das Leben schön. – Gottes Gnade, von der Martin Luther sagt, dass wir allein aus ihr leben. Jetzt riecht sie für mich auf immer und ewig nach Rosen.

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche mit einem geschenkten Feiertag. – Und: Nase auf! Es riecht nach Gnade.

Pastorin Anneke Ihlenfeldt
Ev.-luth. Georgskirchengemeinde Kirchweyhe-Westerweyhe

 

 

Jahreslosung 2018

Gott spricht:
Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.
Offenbarung 21,6

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Freitag, 16. November 2018
Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.
Jesus spricht: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute.

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