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Startseite Wort zum Sonntag Eine Geburt, die uns angeht!

Eine Geburt, die uns angeht!

Betrachtung zum Weihnachtsfest 2018

Liebe Leserinnen und Leser!

In der Tradition der Ostkirche spielen Ikonen eine große Rolle. In einer überlieferten Formensprache werden wichtige Ereignisse und Personen der christlichen Tradition so dargestellt, dass die Gläubigen durch die Ikonenbilder zu Besinnung, Andacht, ja Verehrung des Dargestellten eingeladen werden. So ist es auch bei dem diesjährigen Weihnachtsbild der AZ, das uns die Geburt Jesu in Bethlehem zeigt und deutet.

Im Mittelpunkt des Bildes ist die in den orthodoxen Kirchen als Gottesmutter hoch verehrte Maria zu sehen. Sie ruht auf einem gepolsterten Felsbett, angetan mit einem Kleid in Blau, der klassischen Marienfarbe. Maria umarmt und liebkost den neugeborenen Jesus, der in seinen Windeln fest eingewickelt ist. Im Hintergrund, beobachtend und wachend zugleich, stehen Ochs und Esel. Vom Himmel fällt eine Art Segensstrahl auf die Geburtsszene, Zeichen der göttlichen Zuwendung und Gegenwart.

Gegenüber westlichen Darstellungen fehlen auf der Ikone die Hirten, Vater Josef und auch die bei uns oft abgebildeten Könige. Umso auffälliger ist der Ort des Geschehens. Einer alten östlichen Tradition entsprechend wird Jesus ist einer Höhle geboren. Vielleicht steht die Erinnerung im Hintergrund, dass die Hirten in Palästina bei Gefahr oder schlechter Witterung die Herden oft in schützende Höhlen trieben. So kommt Jesus nicht im Stall, sondern in der Geborgenheit einer Höhle zur Welt.

Immer wieder haben Beobachter in der Höhlenform aber auch einen Hinweis auf den Lebensweg Jesu gesehen. Die Höhle erinnert sie an das Grab Jesu. Seine Geburt und sein Tod werden in eins gesehen. Für diese Interpretation könnte auch sprechen, dass wir in der Ikone keine Krippe finden, sondern eine Art Schrein, ähnlich einem Grabmal oder Sarkophag. Auf ihm liegt das in Windeln gewickelte Kind und erinnert damit an den am Kreuz gestorbenen Jesus, der – in Leinentücher gewickelt – ins Grab gelegt wurde.

Geburt, Tod und Auferstehung stehen in engem Zusammenhang:  Mit Jesus kommt der auf die Welt, der neues Leben bringt, der in seinem Leben die Liebe Gottes zeigt und so die Menschen heil und fröhlich macht. Die Geburt Jesu zeigt die Menschenfreundlichkeit Gottes. – Aus dem Kind wird im biblischen Bericht der erwachsene Mensch, der für die Schwachen da ist, Gottes Liebe predigt und für Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen eintritt. Dieser Weg erregt Anstoß bei den Mächtigen und Etablierten. Letztlich führt er in den schweren Tod am Kreuz. – Aber damit war dem Weg Jesu noch kein Endpunkt gesetzt. Die Geburtshöhle erinnert an das offene Grab der Osterüberlieferung, der lebendige Säugling Jesus an den zu neuem Leben Auferstandenen, der den Menschen die Furcht vor dem Tod nimmt.

In der Geburt in Bethlehem kommt Gott selbst auf diese Erde, um uns das Leben neu zu schenken. In Jesu Wirken und Reden erneuert Gott seine Zusage der Bewahrung und des Schutzes, die auch vom Tod nicht gebrochen wird.

Mit dieser assoziationsreichen Sichtweise trägt die Ikone eine uns ansprechende Botschaft in sich. Im Kind wird Gott schwach für die Schwachen dieser Welt, er wird fassbar und kommt uns Menschen nah. Jesus wird seinen Weg gehen, einen Weg der Menschenliebe und der Gerechtigkeitspredigt, einen Weg, der auch im Tod nicht endet, damit wir das Leben haben.

Seit 2000 Jahren wird diese Botschaft zu Weihnachten immer neu verkündet. Auch zum Heiligen Abend 2018 ist es wieder so weit. In vielen Kirchen und Häusern werden dazu bei uns die oft vielgestaltigen Krippen aufgestellt. Wie die Ikone zeigen auch sie die Geschichte von der Geburt Jesu und wie die Ikone sind auch die Krippen in ihrer Bildlichkeit fassbare Ansprache an uns: Seht, wie gut Gott es mit uns meint – er kommt zu uns, es heller und friedlicher zu machen und uns fröhlich zu stimmen. 

So hoffe ich für uns alle auf ein gutes Weihnachtsfest, das uns bereitmacht, der Einladung Gottes zu folgen und das Gottesgeschenk seiner Liebe bei uns einzulassen.

Ich wünsche Ihnen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest 2018.

Ihr Jörg Hagen
Propst in Uelzen

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Tageslosung

Dienstag, 26. März 2019
Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!
Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht - aus Gnade seid ihr gerettet.


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