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Das schnelle Glück

Wort zum Sonntag, 10.03.2019 (Invokavit / 1. So. d. Passionszeit)

Eigentlich hatte er alles. Ein gutes Elternhaus. Gute Noten in der Schule. „Wie sind Sie da reingerutscht?“, frage ich. Er kann es nicht erklären. Auf den Partys wurden Drogen angeboten. Irgendwann hat er nicht mehr „Nein“ gesagt. Bald nach dem ersten Konsum fing er an, Drogen zu verkaufen. Das brachte ihm viel Geld ein. Er konnte ein großes Auto fahren. „Wer kann das schon, wenn er gerade 18 ist?“, fragt er. Er sei beliebt gewesen. Wenn er auftauchte, habe es immer ein großes Hallo gegeben. – Doch dann ist sein Kartenhaus zusammengebrochen.

Die Polizei hatte ihn schon lange im Visier, ohne dass er es mitbekam. Im Gefängnis bereut er, was er getan hat. Er weiß, dass seine Angehörigen enttäuscht sind. Sie haben ihn im Gefängnis besucht. Sie haben sich bemüht, „normal“ mit ihm umzugehen und ihm gesagt, dass sie ihm helfen wollen. Das hat gut getan. Aber er hat auch gemerkt, dass sie wütend auf ihn sind.

In meiner Arbeit treffe ich häufig auf Menschen, die durch ihre Drogen-, Alkohol- oder Spielsucht in die (Beschaffungs-)Kriminalität geraten sind. Immer wieder geht es in unseren Gesprächen um die Frage, wie es angefangen hat und wie man es schaffen kann, künftig auf Alkohol, Drogen bzw. auf das Spielen um Geld zu verzichten.

Als Jesus nach 40 Fastentagen in der Wüste versucht wurde, da bestand die Versuchung nicht in solchen Suchtmitteln, auch nicht in eher harmlosen Dingen wie z. B. Kaffee oder Süßigkeiten. Es ging vielmehr um Macht, die der Teufel ihm versprach, wenn er denn vor ihm niederfalle. Jesus jedoch widerstand der Versuchung. Er ging nicht den angebotenen vermeintlich schnellen Weg zum Glück. Er betete den Teufel nicht an, stürzte sich nicht von der Zinne des Tempels, machte nicht Steine zu Brot.

Es gibt sicher viele Gründe, an der Aktion  „7 Wochen ohne“ teilzunehmen. Dem einen mag es darum gehen, einfach weniger zu essen und in gewisser Weise zu fasten. Dem anderen geht es um ein bewusstes Erleben der Passionszeit. Für mich geht es auch darum, Versuchungen zu widerstehen und gewohnte Abläufe zu durchbrechen. Die Dinge, die sonst vielleicht dafür gut sind, Löcher zu stopfen, sollen jetzt mal 7 Wochen außen vor bleiben. Ich bin überzeugt, dass der Verzicht auf Dinge, die das schnelle Glück versprechen, bereichernd sein kann.

Pastor Carsten Junge,
Gefängnisseelsorger in der JVA Uelzen

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Tageslosung

Mittwoch, 22. Mai 2019
Das ist der HERR, auf den wir hofften; lasst uns jubeln und fröhlich sein über sein Heil.
Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk.


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