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Ein Haus aus Licht

Wort zum Sonntag, 14.04.2019 (6. So. d. Passionszeit / Palmsonntag)

Es rauscht und schäumt. Am frühen Morgen sind die Wellen klein und schwach, haben noch nicht die Wucht, die sie mitten am Tag haben werden. Möwen gleiten durch den frischen Wind, um mit schnarrenden Lauten auf einer Veranda zu landen. Unzählige Gestalten stehen verteilt am Strand: eine Gestalt mit Füßen im Wasser, eine andere auf dem Dach einer Hütte, die von der Rettungsgesellschaft aufgestellt wurde. Dunkle Gestalten, wie Skulpturen stehen sie da, nur ihre schwarzen Mäntel wiegen sich im Wind. Sie schauen in das aufgehende Licht, das sich hinter den Hügeln erhebt. Sie bleiben anbetend stehen und schließen die Augen, bis sie gänzlich ins Sonnenlicht getaucht sind.

„Stadt der Engel“ mit Meg Ryan und Nicolas Cage hat mit diesem Motiv auf Plakaten geworben. Engel: stumm und unsichtbar, nur für den Zuschauer als dunkle Wesen sichtbar. Noch vor Sonnenaufgang stehen sie andächtig da und erwarten das Licht.

Früh am Ostermorgen wird Licht durch die Kirchenfenster dringen und den Innenraum erhellen. Das Licht des frühen Morgens wird zu einem Bild der Hoffnung, dass Dunkelheit ein helles Ende hat. Dass ich mich auf der Schattenseite meines Lebens nicht verlaufen werde, sondern dass Licht scheint und stärker ist als dunkler Alltag. Ein Licht, das aus dem Ende einen Anfang macht und mir den Weg zeigt

„Denn bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht“, so heißt es in Psalm 36. An Ostern feiern wir das, was der Psalm beschreibt: Unser Leben erscheint im Licht, Zuwendung Gottes wird sichtbar. Wenn Jesus Christus als Licht der Welt den Menschen das Licht des Lebens verspricht, geht es um Leben, dem der Tod nichts anhaben kann.

In jenem Licht liegt das Versprechen: Ich mache alles neu. Lachen kehrt zurück zu dem Traurigen, Hoffnung zu denen, die einander loslassen müssen. Die Frauen haben das erlebt, staunend erzählt von der Lichtgestalt am leeren Grab, die sagte: „Fürchtet euch nicht!“ Seitdem ermutigt ihre Geschichte Menschen, auf jenes Licht – auf Gott – zu hoffen, dem Licht in dunklen Momenten zu vertrauen, Trost zu finden und Kraft zu schöpfen. Und plötzlich ist der Morgen da und wir können aufstehen.

Die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz sieht im alltäglichen Aufstehen mehr, als nur das Aufstehen, sondern ein flüchtiges Aufblitzen von Auferstehung: Manchmal stehen wir auf, stehen zur Auferstehung auf, mitten am Tage mit unserem lebendigen Haar, mit unserer atmenden Haut. Nur das Gewohnte ist um uns. Und dennoch leicht und unverwundbar geordnet in geheimnisvolle Ordnung vorweggenommen in ein Haus aus Licht („Auferstehung“).

Die Engel auf dem Plakat stehen in einem Haus aus Licht. Auch wir sehen Morgenlicht, das uns täglich rauszieht aus dem Bett in die Welt. Wir sehen es am Strand, ebenso am Ufer der Ilmenau. Am Ostermorgen, wenn das Glockenläuten ertönt: Wir in einem Haus aus Licht.

Pastor Julian Wyrwa
Ev.-luth. Kirchengemeinden St. Marien Uelzen und Veerßen

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Tageslosung

Sonntag, 21. April 2019
Osterfest
Weh dem, der mit seinem Schöpfer hadert, eine Scherbe unter irdenen Scherben! Spricht denn der Ton zu seinem Töpfer: Was machst du?
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.


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