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Stimmengewirr

Wort zum Sonntag, 09.06.2019 (Pfingsten)

Reden, Sprechen, Quatschen, Schnattern – wenn viele in einem Raum die Stimme erheben, breitet sich ein wahrer Klangteppich aus. Kommen die Gespräche in Fahrt, versucht mancher den anderen zu übertönen und die Lautstärke wächst an. Mir fällt es dann oft schwer meinem Gegenüber noch richtig zuzuhören und gegen die Geräuschkulisse anzusprechen. Aus den Gesprächen ringsum bleiben Wortfetzen hängen – unverständlich und irritierend.

In Veranstaltungen und Gottesdiensten habe ich oft mit Menschen zu tun, denen das Hören überhaupt schwerfällt. Kommen Nebengeräusche hinzu, wird es sehr anstrengend, erzählen sie.

So stelle ich mir die die Situation zum ersten Pfingstfest vor: Die Leute verstanden ihr eigenes Wort nicht, so viele Stimmen und Sprachen gab es in Jerusalem zu hören. Aber mit einem Mal ändert sich etwas, aus dem Klangteppich werden klare Worte und nachvollziehbare Gedanken. Sie beginnen einander zu verstehen. (K)ein Wunder, dass sie davon mehr als überrascht und überwältigt waren.

Verstehen ist kostbar. Verständnis noch viel mehr. Und in unserer Zeit immer seltener anzutreffen. Inzwischen ist mit Studien belegt, dass unser Mitgefühl füreinander abgenommen hat und die Selbstbezogenheit stark angewachsen ist. Wissenschaftler machen sich Sorgen um die Einsamkeit vieler – wie um die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit.

Unerwartet häufig sind auch junge Menschen betroffen. Soziale Medien verstärken diesen Trend: Die Fülle der Bilder und Informationen aus dem scheinbar perfekten Leben anderer bewirkt Unzufriedenheit über die eigene Situation, erklärt der Gehirnforscher Manfred Spitzer.

Was lässt sich tun für mehr Verstehen, Verständnis und damit Gemeinschaft? Der Professor schlägt vor: geben – helfen – musizieren, singen, tanzen. Klingt einfach und wirksam. Wer sich ehrenamtlich engagiert, bleibt auch noch länger gesund als andere in derselben Altersklasse. Wunderbar! Und für viele Menschen in unserer Region ganz alltäglich. Mich beeindruckt immer wieder, dass sich die Feuerwehren im Landkreis Uelzen aus Freiwilligen zusammensetzen. Vereine und Verbände schaffen Zusammenhalt und vertreten zugleich die Interessen einzelner. Die Veranstaltungsreihe „Musik im Kreis“, auf die wir uns im September freuen dürfen, wird mit ehrenamtlichen Chören und Musikgruppen die Kirchen und Kapellen vielstimmig füllen.

Kirchliche Räume waren schon immer Orte der Gemeinschaft. Seit dem ersten Pfingstfest. Denn als die Menschen einander so unerwartet gut verstanden, spürten sie darin eine Kraft, die sie nicht mehr losließ. Die Botschaft von Jesus Christus hatte ihre Herzen berührt. „Sie aber blieben beständig in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet und lobten Gott“, heißt es in der Apostelgeschichte.

Frohe Pfingsten!

Pastorin Stefanie Arnheim,
Marienkirchen-Gemeinde Suhlendorf
und St. Petri-Kirchengemeinde Bodenteich

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Tageslosung

Mittwoch, 26. Juni 2019
HERR, sei mir gnädig, denn mir ist angst!
Jesus spricht: Auch die Haare auf eurem Haupt sind alle gezählt. Fürchtet euch nicht!


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