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Mit den Kriegskindern den Frieden suchen

Wort zum Sonntag, 01.09.2019 (11. So. n. Trinitatis)

In diesen Tagen wird viel an den Beginn des 2. Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert. Als Klinikseelsorgerin begegne ich immer wieder Menschen, die erzählen, wie sie den Krieg als Kinder erlebt haben. Ihre schlimmen Erlebnisse haben oft lange unter einer dicken Decke des Schweigens und Vergessens gelegen. Indem sie aktiv nach vorne dachten, haben sie ihr Leben bewältigt. Für viele war das Vergessen die einzige Möglichkeit zum Überleben und Weiterleben.

Dennoch achten manche bis heute darauf, dass die Kleidung abends griffbereit neben dem Bett liegt und schrecken bei Sirenenalarm und Feuerwerk auf. Häufig kommen die schmerzhaften Erinnerungen im Alter wieder hoch, z. B. beim Anblick heutiger Kriegskinder. Oder wenn gesundheitliche Bedrohungen des Alters an die alten Bedrohungen stoßen. Depressionen, Ängste, Misstrauen und körperliche Beschwerden können damit zusammen hängen. Ja, der Krieg, er hat sich tief in ihre Seele und ihren Körper gebrannt. Er verfolgt sie bis heute mit Alpträumen bis ins Schlafzimmer, auf die Intensivstation oder ins Pflegeheim.

Was ihnen dann oft gut tut, sind Menschen, die sie mit dem, was sie in sich tragen, mit ihrer Lebensleistung und dem erfahrenen Leid, wahrnehmen. Die eigenen Eltern mit ihren Verstrickungen auf der Täterseite oder auch als Opfer von Gewalt und Terror waren damals dazu selten in der Lage. Als Eltern haben die Kriegskinder dann oft ungewollt ihre Traumata an die eigenen Kinder weitergegeben, auch wenn, ja, indem sie nie wirklich darüber geredet haben.

Bei ferner stehenden Menschen wie mir kann es dann passieren, dass sie sich öffnen. Oder auch, wenn die Großkinder unbefangen nach jener Zeit fragen. Was man nicht erzählen konnte oder mochte: Todesangst und Trauer, Scham- und Schuldgefühle kommen dann endlich zur Sprache. – Schon die Psalmen und alten biblischen Erzählungen wussten, wie wichtig das Erinnern und Erzählen ist, um Frieden zu finden.

Die Gespräche zwischen den Generationen suchen und das Erlittene als traumatische Kriegserlebnisse bewusst erinnern und weiter erzählen: wo das möglich ist, werden die Kriegskinder und ihre Nachkommen gemeinsam Mahnerinnen und Mahner zum Frieden. So stehen wir angesichts der gegenwärtigen Herausforderungen und Gefahren für das ein, wozu die Jahreslosung für 2019 uns auffordert: „Suchet Frieden und jaget ihm nach!“ (Palm.34.15)

Pastorin Birgit Hagen,
Klinikseelsorgerin in Bad Bevensen

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

Tageslosung

Montag, 16. September 2019
Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebet.
Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.


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