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Erst mal ich

Wort zum Sonntag, 08.09.2019 (12. So. n. Trinitatis)

Angenommen, unsere Körperteile könnten sprechen. Und würden folgendes Gespräch führen: „Ich habe keine Lust mehr“, sagt das Ohr, „immer nur zuhören. Darum sage ich: Ab sofort erstmal ich!“ – Dann meldet sich der Fuß: „Ich finde es auf Dauer unerträglich, die ganze Last des Körpers zu tragen. Darum sage ich: Ab sofort erstmal ich!“ – Auch die Hand lässt sich vernehmen: „Ich soll immer alles begreifen, anfassen und anpacken. Mir reicht es. Ab sofort erstmal ich!“ – Das Auge hat keine Lust mehr, alles mitansehen zu müssen. Und die Nase kann die anderen schon lange nicht mehr riechen. Schließlich ist der Körper lahmgelegt, weil alle sagen: „Erst mal ich!“

So ähnlich geht eine Geschichte, die schon in der Antike kursierte. Der Apostel Paulus hat sie aufgegriffen und in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth angewendet. Dort gab es Streit. Die einen fühlten sich den anderen überlegen und wollten deshalb bevorzugt werden. Mit der Rücksichtnahme war es nicht weit her. Der Einsatz für die, die am Rande standen, ließ zu wünschen übrig.

Paulus geht dagegen vor, indem er die Gemeinde als einen Körper beschreibt, der aus vielen Teilen mit unterschiedlichen Aufgaben besteht. Ihr seid der Leib Christi, sagt er, und jeder einzelne ist ein Teil davon“. Es kann nicht sein, dass sich der eine vom anderen abgrenzt und sagt: Erst mal ich!

Es ist nämlich genau umgekehrt, sagt Paulus: wenn es einem Teil schlecht geht, dann leiden alle anderen Teile mit. Und wenn ein Teil besonders gewürdigt wird, so gilt das für alle anderen auch.

Das Miteinander klappt nur, wenn alle mitmachen. Jeder hat ein Talent und eine Begabung. Und es kommt nicht darauf an, dass alle dasselbe tun, sondern jeder, was er kann.

Ist das nicht ein anregendes Bild? Für eine Zeit, in der es modern geworden ist zu sagen: Ich zuerst! Unser Land zuerst ... – Das Miteinander kann nur funktionieren, wenn die einen sich für die anderen verantwortlich fühlen, Generationen und politische Gegner ins Gespräch kommen, alte von jungen Menschen lernen und junge von alten. Das Motto „Ich zuerst!“ Ist denkbar schlecht. Es sollte vielmehr lauten: „Wir alle miteinander“

Pastorin Anne Stucke,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Ebstorf

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

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Montag, 16. September 2019
Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebet.
Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht.


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