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Dialog über Stein und Zeit hinaus

Wort zum Sonntag, 24.11.2019 (Ewigkeitssonntag, Letzter So. im Kirchenjahr)

Ein Name. Zwei Daten mit Tag und Monat und Jahr, eingemeißelt in einen Stein. Ist das alles, was bleibt von einem Leben? Wer auf dem Friedhof die Reihen entlang geht,kommt an unzähligen dieser Zeugnisse eines vergangenen Lebens vorbei. Das Leben der anderen. Unter jedem Stein verbergen sich unbekannte Bilder und Erinnerungen, Geschichten von Hoffen und Sehnen. Nichts hallt aus dem Denkmal davon wider: kein Lachen, kein Weinen, kein Schweiß und keine Tränen.

Das Wortkarge und Schweigsame heutiger Grabsteine steht im Gegensatz zu der Mühe, mit der wir versuchen, jeden entscheidenden Moment unseres Lebens festzuhalten. Auf Fotos, in Erinnerungsalben und Tagebücher bewahren wir es für ein Leben, das in unserem Bewusstsein niemals enden müsste; für das Verdrängen, dass alles einmal vergeht.

Im Kontrast dazu hat Andreas Gryphius im 17. Jahrhundert den Dialog eröffnet über Stein und Zeit hinaus mit seiner eigenen Grabinschrift: „Ich bin nicht mehr denn du; ich bin, was du gewesen; Bald wirst du sein, was ich … Beweine, wer du bist, nicht mich, nur deine Not! Du gehst, indem du gehst und stehst und ruhst, zum Tod.“

Die Not ist dieser ungeheuerliche Gedanke: dass nichts bleibt von uns – von dem, was wir mit dem zerbrechlichen Zentrum unseres Selbst mühevoll aufgehäuft haben. Dieses Zentrum selbst löst sich auf und vergeht mit allen seinen Farben und Nuancen. Ein Name, zwei Daten mit Tag und Monat und Jahr – bis selbst das vergessen und der Stein zerbröselt ist.

Erst diese schonungslose Wahrheit öffnet die Möglichkeit, den Trost der uralten Worte zu erahnen: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jesaja 43,1).

An uns ist nichts Ewiges. Wir bleiben nur, weil der Ewige an uns festhält. Nicht für uns allein. In dem „Du“ sind auch die anderen mitenthalten. Nicht mehr getrennt mit Namen und Daten, sondern verbunden mit allem trägt Gott unseren Namen und unser Leben weiter durch Zeit und Ewigkeit. Das ist kein Grund zum Fürchten. Eher ist es die Grundlage für ein gelasseneres Leben. In ihm können wir uns immer wieder im Loslassen üben und jetzt schon spüren, wie wir verbunden und getragen sind mit allem.

Pastor Martin Hinrichs,
Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde Lüneburg-Uelzen

 

 

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