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Der k-rippale Infekt

Wort zum Sonntag, 01.12.2019 (1. Advent)

In der Adventszeit werde ich zur unnachgiebigen Anhängerin der alten Bräuche. Alles muss so sein wie immer. Aber hallo! – Der Adventskranz mit dicken roten Kerzen, nicht mit lila oder weissen. – Sterne? Klar, die aus Herrnhut. – Gebäck? Nur das nach Omas Rezept aus Kindheitstagen. – Und der Christbaum erst. Strohsterne bitte, echte Kerzen, ein paar rote Kugeln, Lametta kann fehlen. Lichterkette, ja, die mit den kleinen Birnchen.

„Same procedure as last year, please.“ Bloß – dieser Zwang stört mich mittlerweile. Ausgerechnet in der Adventszeit wache ich streng über den wahren, den richtigen und den falschen, den schlechten Geschmack.

Ich habe jemanden vom „krippalen“ Infekt sprechen hören. Eben nicht der, der einem Fieber, Husten, Schnupfen und Heiserkeit beschert, dem mit einem „g“. – Mit diesem hier infiziert man sich an der Botschaft des Alten Testaments: „Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Dieser Infekt schützt nicht gegen Kälte, leider nicht. Wenn der Nachbar mal wieder nervt und man die Kälte seiner Wichtigtuerei merkt. Wenn die Schwägerin eine ihrer beliebten giftigen Bemerkungen macht, so treffsicher wie gemein.

Das Ansteckungsrisiko ist ähnlich groß wie beim grippalen Infekt, wenn das Immunsystem anfällig ist. Wenn nämlich die Fragen nach dem Sinn des Lebens und die nach dem Tod einem dauernd kommen: „Wozu lebe ich? Warum kann ich kein Unheil verhindern, obwohl ich es kommen sehe? Bleibt nur meine Asche zuletzt übrig oder ist da noch mehr? Warum kriegt man die Gewalttäter nicht in den Griff – und Opfer haben das Nachsehen quer durch die Gesellschaft, vom Kind bis zum Rentner?“

Niemand weiß, was kommt. Am ersten Advent nur ein Licht, aber eine große Hoffnung. Ein „Gerechter und ein Helfer“ kommt. Der möge uns infizieren. Oder sind wir es schon? Infiziert? – Ein guter Anfang, finde ich, ist es, Schwäche zu zeigen für die traurige Bekannte ein paar Häuser weiter. Oder fiebern Sie nach einem friedlichen Leben, wo jede und jeder sein und ihr Ding macht und dabei Grenzen akzeptiert? Schluckbeschwerden beim grippalen Infekt sind auch nicht leicht zu händeln. Aber wer hat schon Lust, immer Oberflächlichkeiten und Lieblosigkeiten runterzuschlucken? Schlecht verdaulich auf Dauer. – Was also tun?
Inhalieren vielleicht? Und zu beginnen mit der alttestmentlichen Verheißung, dem Versprechen: „Dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer.“ Darum lass ich das dieses Jahr, das mit der Rolle der strengen Zeremonienmeisterin. Und bin gespannt, was das Inhalieren bringt.

Pastorin Utta Dittmar
Ev.-luth. Kirchengemeinde Holdenstedt

 

 

Jahreslosung 2019

Suche Frieden und jage ihm nach!
Psalm 34,15

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Dienstag, 10. Dezember 2019
Der HERR sprach zu Mose: Das ganze Volk, in dessen Mitte du bist, soll des HERRN Werk sehen.
Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte in ihren Synagogen und predigte das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle Gebrechen im Volk.


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