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Beten hilft!

Wort zum Sonntag, 12.01.2020 (1. So. n. Epiphanias)

Die Mutter geht mit ihrer Tochter, neun Jahre alt, zur Zahnpraxis. Hanna geht nicht gern dorthin, da ändern auch die kleinen Geschenke nichts, die sie nach überstandener Behandlung immer bekommt.

Die Zahnärztin untersucht sorgfältig Hannas Gebiss. „Es muss eine Kleinigkeit gemacht werden“, erklärt sie schließlich. Hanna ahnt sofort: Eine Füllung ist fällig und dazu muss erst einmal gebohrt werden. Von wegen Kleinigkeit ... das tut weh, das weiß doch jedes Kind!

Die Assistentin legt alle Instrumente zurecht, Hanna direkt vor die Nase. Oje, das Herz rutscht ihr in die Hose, sie wird ganz blass. Die Ärztin nimmt den Bohrer in die Hand, die Assistentin das Absauggerät – gleich geht’s los. „Hanna, bitte mach den Mund jetzt ganz weit auf!“ Beide sehen sie erwartungsvoll an. „Alles klar, Hanna? Kann es losgehen?“

Nein – Hanna kneift die Lippen zusammen, wie zugenäht. „Was ist los?“ „Wartet mal, ich bin noch nicht so weit“, sagt Hanna. Die Zahnärztin stellt die Geräte ab. Hanna schließt die Augen und faltet die Hände. Die Erwachsenen schauen sich verdutzt an. Hanna betet? Ja, Hanna betet, ganz leise, ganz für sich, man hört kein Wort. Aber man sieht, wie sich ihre Lippen bewegen. Als sie fertig ist, sagt Hanna laut „Amen“ und öffnet den Mund.

Die Ärztin ist perplex und sagt: „Das hab ich ja noch nie erlebt in meiner Praxis.“ Hanna erklärt: „Unsere Lehrerin hat gesagt, beten hilft, wenn man Angst hat.“ „Gute Idee“ meint die Assistentin. Hanna ist bereit: „Ihr könnt anfangen“, sagt sie und macht den Mund ganz weit auf.

Mit dem Beten ist das ja so eine Sache. Hanna weiß Bescheid: Beten ist keine Zauberei und auch kein Wunscherfüllungsautomat. Aber Beten verändert die Situation: Ich kann das, was mir Kummer oder Sorge bereitet, abgeben an jemand anders. Ich kann Verantwortung abgeben für Dinge, die ich nicht in der Hand habe. Dann kann Beten mich entlasten und trösten.

Es gibt andere Situationen, da stehe ich fassungslos vor den Ereignissen und denke: Wo ist denn da Gott zu finden? Das kann Gott doch nicht gewollt haben! Auch die Psalmen in der Bibel enthalten Klagen über die Schrecken und Zumutungen des Lebens, die Betende nicht stumm ertragen, sondern Gott laut vorhalten. Ich kann mich freuen und Gott danken für das, was sich erfüllt hat, was mir gelungen oder mir geschenkt worden ist.

Klagen, bitten, danken: Alles kann Inhalt von Gebeten sein und Ausdruck meines Vertrauens, dass Gott mich und die ganze Welt in Händen hält – komme, was wolle. Und dass dieser Gott nicht fern im Himmel thront, unberührt vom Auf und Ab unseres Lebens, sondern ein offenes Ohr hat für alles, was Menschen bewegt. Auch für Hannas Angst vor dem Zahnbohrer und ihren Mut, den Mund trotzdem aufzumachen.

Was können wir von Gott erwarten? Was dürfen wir von Gott erhoffen? „Gott ist treu“, bringt es der Monatsspruch aus dem 1. Korintherbrief (Kapitel 1, Vers 9) kurz und bündig auf den Punkt. Gott ist mmer nur einen Gedanken, ein Gebet weit entfernt, auch auf unserem Weg durch das neue Jahr.

Astrid Neubauer,
Pastorin im Kirchenkreis Uelzen

 

Tageslosung

Sonntag, 19. Januar 2020
2. Sonntag nach Epiphanias
Wenn sich der Ungerechte abkehrt von seiner Ungerechtigkeit, die er getan hat, und übt nun Recht und Gerechtigkeit, der wird sein Leben erhalten.
Paulus schreibt: Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.


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