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Tausend Dank

Wort zum Sonntag, 13.09.2020 (14. So. nach Trinitatis)

Die Geschichte ist schnell erzählt: Zehn Leprakranke bitten Jesus darum, geheilt zu werden. Und als er sie zu den Priestern schickt, die ihre Genesung bezeugen sollen, sind sie mit einem Mal gesund. Doch nur einer von ihnen kehrt zurück, um dem Heiland zu danken. Nur einer von zehn nimmt das, was er erlebt hat, nicht für selbstverständlich.

Was ist mit den Anderen? Vielleicht sind sie zu aufgewühlt, um sich gut zu benehmen. Vielleicht haben sie so fest mit der Heilung gerechnet, dass sie am Ende glaubten, ein Anrecht darauf zu haben.

Jesus lässt sich anmerken, dass er etwas pikiert ist. Aber: Dankbarkeit ist nicht machbar. Man kann zwar jemanden vorwerfen, undankbar zu sein. Doch damit wird man wenig ändern. Dankbarkeit stellt sich ein – und zwar immer dann, wenn ich froh und zufrieden bin und zugleich offen für die Tatsache, dass das nicht allein mein Verdienst ist.

Dankbarkeit ist nicht machbar, und doch lässt sich Dankbarkeit üben. An so vielen kleinen Punkten profitiere ich davon, was andere getan und begründet haben. Das fängt mit dem Rhythmus des Lebens an, den ich mir nicht selbst ausgedacht habe, mit den Jahreszeiten, dem erholsamen Schlaf, mit dem hellen Morgenlicht, das mich wach macht. Das setzt sich fort in meinem Lebensweg, mit all seinen Windungen, Begegnungen und wichtigen Worten, auch mit den Heilungen, die mir widerfahren sind.

Eine kluge ältere Freundin hat mir einmal eine besondere Art der Tagesreflexion beigebracht: Am Abend vor dem Schlafengehen gehe ich den Tag noch einmal durch und finde drei Sachen, für die ich heute dankbar bin. Dass ein schwieriger Anruf gut gelaufen ist. Dass das Wetter mitgespielt hat. Die herrliche Musik aus dem Radio. Je feiner und genauer ich hinschaue, umso dankbarer werde ich. Oft sind es mehr als drei Sachen. Der Dank geht dabei in viele Richtungen. Manchmal ist er auch ganz unbestimmt: Dass Bewegung in verkrustete Verhältnisse kommt. Dass überall auf diesem Globus sich Menschen mit aller Kraft einsetzen für eine gerechtere Gesellschaft, für Frieden, für den behutsameren Umgang mit den Ressourcen – wem kann ich dafür danken? So schicke ich meinen Dank in alle Richtungen, die mir einfallen. Und immer wieder gen Himmel. Tausend Dank.

Pastorin Dr. Julia Koll
Ev.-luth. Kirchengemeinden Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg

 

 

Tageslosung

Samstag, 19. September 2020
Gott ist weise und mächtig; wer stellte sich ihm entgegen und blieb unversehrt?
Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.


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