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Gedenken – Blick zurück und nach vorn

Wort zum Sonntag, 15.11.2020 (Vorl. So. im Kirchenjahr, Volkstrauertag)

Es ist morgens. Der Kaffee dampft in meiner Tasse. Gleich wartet der erste Termin des Tages. Nur eine Kleinigkeit im Ort. Es ist nur ein kurzer Weg. Einen kleinen Gruß zum Geburtstag möchte ich übergeben – Besuche sind zurzeit ja schwer. Aber wenigstens ein kurzes Gespräch über den Zaun soll es dann doch geben – mit genügend Abstand versteht sich.

Bevor ich losgehe, schaue ich auf mein Handy. Der tägliche Statusbericht meiner Corona-App ist zur Tagesroutine geworden. Darin liegt keine große Aufregung. Es ist einfach die neue Normalität. Zwei neue Risikokontakte, aber kein Grund zur Beunruhigung meldet die App. Sie bleibt auf grün. Ein komisches Gefühl entsteht doch. Ich entscheide mich dafür, die Maske schon im Ort zu tragen. Zu meiner Sicherheit und zur Sicherheit der anderen. Es ist ja keine große Sache.

Neben dem dampfenden Kaffee liegt die Zeitung. „Corona-Ausbruch“ wird gemeldet. Daneben die Schlagzeile zu einem erneuten Terroranschlag in Europa und Berichte über die neusten Auswüchse des jetzt ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Keine schöne Morgenlektüre, aber Teil der Realität. Die Pandemie, die den neuen Alltag und meine Gedanken bestimmt und die weltpolitische Lage, die gefühlt immer weiter aus den Fugen gerät. Es bleibt oft wenig Raum zwischen all dem, um auch mal wieder über den Tellerrand des aktuellen Lebens hinauszuschauen.

Schwer ist es, den Blick nach vorn zur richten, weil sich so wenig gerade planen lässt und in der Ungewissheit zu versinken droht. Schwer ist es auch, den Blick einmal zurückgehen zu lassen, weil die aktuelle Zeit schon herausfordernd genug ist. Gleichzeitig aber brauchen wir genau das. Planungen für die Zukunft, damit das Leben trotz aller Herausforderungen gelingen kann. Und der Blick zurück, damit wir immer wieder neu lernen können.

An diesem Wochenende wird an vielen Orten der Volkstrauertag begangen und das hat in diesem Jahr auch seinen guten Grund, wenn wir den 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges begehen dürfen.

Viele Lehren, die aus einer solchen Zeit resultierten, sind für mich vor allem in der Auseinandersetzung mit Corona-Leugnern erschreckend aktuell geworden. Beispielsweise die Frage, ob die Maßnahmen gegen die Pandemie sinnvoll seien, weil diejenigen, die daran sterben würden, doch eh oft schon sterbenskrank seien. – Als ob kranke Menschen kein Recht darauf hätten, dass man auch ihr Leben mit allen Mitteln versucht zu schützen. – Oder der Ruf nach dem Ende der „Meinungsdiktatur“, während man selbst gleichzeitig das Recht der freien Meinungsäußerung mit den menschenverachtendsten Aussagen genießt.

Es ist gut an diesem Wochenende beim Volkstrauertag dem zu gedenken – der eigenen Verantwortung, die aus dieser Zeit gewachsen ist, und dem eigenen Anteil, den man zum Frieden in dieser Gesellschaft beitragen kann.

Als Christen ist unsere Verantwortung klar: Wir sind dazu aufgerufen, einander beizustehen und füreinander zu sorgen, damit alle Menschen in Frieden leben können und Gottes Liebe in dieser Welt weiter wachsen kann.

Pastor Tobias Heyden
Ev.-luth. Kirchengemeinden Altenmedingen und Bienenbüttel

 

 

Tageslosung

Montag, 23. November 2020
Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.
Jesus sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.


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