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Verletztes wird geheilt

Wort zum Buß- und Bettag, 18.11.2020

In einem großen, verwilderten Garten, den mein Mann und ich vor Jahren übernahmen, stand in einer Ecke eine Eberesche. Während rundum alles blühte und wucherte, wirkte die Eberesche kränklich. Sie trug weder Blätter noch Beeren. Ein Baum, der seine beste Zeit hinter sich hatte. Und wir nahmen uns vor, diesen Baum zu fällen.

Aber erst einmal fingen wir an, den Garten aufzuräumen. Die Vorbesitzer hatten einen ausgeprägten Sammeltrieb gehabt und all ihre Schätze im Garten gehortet: Eisenbahnschwellen, alte Herde und einen verwitterten Grabstein. An der Eberesche lehnten mehrere schwere Betonplatten. Wir entfernten sie und sahen: sie hatten den Stamm des Baumes durch ihr Gewicht und ihre Kanten teilweise zerstört. Kein Wunder, dass der Baum krank war und weder Blätter noch Früchte trug! Und wir sprachen wieder davon, dass wir diesen Baum im Winter bestimmt fällen würden.

Der Winter kam und ging vorüber. Zum Bäumefällen fand sich jedoch noch keine Gelegenheit. Die Eberesche stand immer noch da, ein trostloser Anblick.

Im Frühling erwachte unser Garten aus dem Winterschlaf und wurde allmählich grün. Anfang Mai blühten die Apfelbäume. Irgendwann merkten wir: die Eberesche trägt ebenfalls Blätter! Und im August leuchteten ihre Beeren rot vor dem blauen Himmel. Was war geschehen? Ihr Stamm hatte sich, befreit von den Betonplatten, erholen können. Die Verletzung des Stammes war zwar noch sichtbar, aber die Wunde begann sich zu schließen. Der Baum konnte sich neu entfalten. Jedes Jahr zur Vogelbeerenzeit freuten wir uns besonders über diese Eberesche, die der Säge nur knapp entronnen war.

Wir können unser Leben mit einem Garten vergleichen. Neben blühenden Sträuchern und Bäumen, die Früchte tragen, gibt es darin auch abgestorbene Bäume, wucherndes Unkraut und unaufgeräumte Altlasten. In diesem Lebensgarten ist Christus ein guter Gärtner. Er kennt uns und sieht, wie es um uns bestellt ist. Er sorgt umsichtig für uns, lockert behutsam den Boden und befreit uns von dem, was unser Leben überwuchert und belastet: von unserer Schuld. Durch seine Kraft der Liebe und Vergebung können unsere alten Verletzungen heilen. Ganz langsam wächst Neues heran und entfaltet sich.

Pastorin Dorothea Mecking
Ev.-luth. Kirchengemeinden Lehmke-Wieren, Molzen und Rätzlingen

 

Tageslosung

Montag, 23. November 2020
Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen.
Jesus sah die große Menge; und sie jammerten ihn, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.


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