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Startseite Wort zum Sonntag „Licht scheint in der Finsternis“

„Licht scheint in der Finsternis“

Wort zum Weihnachtsfest 2020

Zu den besonderen Herausforderungen für Malerinnen und Maler gehört das Licht: Wo sind die Lichtquellen auf einem Bild? Woher kommt das Licht? Wer oder was wird vom Licht beschienen? Wie verhalten sich Helligkeit und Dunkel zueinander? – Die Entscheidungen der Künstler geben den Betrachtenden wichtige Hinweise für das Verständnis eines Bildes. So ist es auch bei dem diesjährigen Weihnachtsbild von Matthias Stomer.

Er war ein Maler des Barock, der große Teile seines Lebens in Italien gelebt und gearbeitet hat. Er kannte die Kraft des Lichtes. Das zeigt auch das Bild „Die Anbetung der Hirten“, das um 1650 entstanden ist.

Das Auge des Betrachters wird von der Lichtquelle in der Mitte des Bildes angezogen. Dort liegt das Kind – Jesus, der Neugeborene. Von ihm geht das Licht aus. Strahlend, fast grell erhellt das Licht die Dunkelheit und zeigt im faszinierenden Schattenspiel von Hell und Dunkel die Personen, die den Säugling betrachten.

Wir sehen die Eltern Maria und Josef. Glücklich betrachten sie ihr Kind. Andacht und Ergriffenheit liegt in ihrem Gesichtsausdruck. Nach den Anstrengungen der Geburt blicken sie lächelnd, mit großer Ruhe und Freude auf Jesus.

Daneben und dahinter erblicken wir die Hirten. Auch ihr Blick ist auf das Kind gerichtet. Sie sind der Botschaft der Engel gefolgt und finden das neugeborene Kind. Das vom Kind ausgehende Licht erhellte ihre Gesichter und Hände. Es sind die Gesichter von Menschen, die das Leben kennen, die viel gesehen haben – nun schauen sie wie gebannt auf das Kind im Lichtschein. Ihre von harter Arbeit gezeichneten, schwieligen Hände erheben sie zum Gebet. Ein großes Staunen liegt auf den Gesichtern der Betrachtenden.

Ein Weihnachtslied

Licht durchbricht die Dunkelheit,
leuchtet hell in unser Leben.
Macht euch alle nun bereit.
Folgt dem Wort, das Gott gegeben.
Gottes Licht scheint in die Welt,
dass sich ihre Nacht erhellt.

Gottes Sohn kam als ein Kind,
um den Kindern anzusagen,
dass sie Gottes Kinder sind:
Gott will euch im Herzen tragen.
Gottes Licht scheint in die Welt,
dass sich ihre Nacht erhellt.

Gottes Sohn: Als Menschensohn
ist er in die Welt gekommen,
um dem Menschen kund zu tun:
Gott hat auch dich angenommen!
Gottes Licht scheint in die Welt,
dass sich ihre Nacht erhellt.

Nicht nur in der Weihnachtszeit
soll die frohe Kunde klingen!
Singet, liebe Christenleut!
Es muss alle Welt durchdringen:
Gottes Licht scheint in die Welt,
dass sich ihre Nacht erhellt.

Johannes Armin

Das Kind selbst ist ein nackter Säugling, wach ist er und in Bewegung, die Arme den Menschen um sich entgegengestreckt. Er wirkt schutzlos und klein – und doch geht von ihm eine lichtvolle Kraft aus, eine Kraft, die die Dunkelheit der Nacht erhellt und die Menschen ganz in ihren Bann zieht. Licht geht aus von dem Kind und Leben und eine Ausstrahlung, die die vom Leben gezeichneten Besucher dieser Nacht beglänzt und glücklich macht.

Für mich passt dieses Bild in diesem Jahr besonders gut zu unserer Weihnachtsituation im Corona-Jahr. Es holt den Blick weg von all dem Dunklen der Pandemie und richtet ihn auf das Kind, die Quelle von Licht und Leben. Viele Menschen erleben dieses Weihnachtsfest verunsichert und mit Angst. Das Covid-19-Virus hat uns die Gefährdung unseres Lebens erschreckend vor Augen geführt. So viele Menschen sind erkrankt und teilweise gestorben, auch die Medizin konnte oft nicht helfen. Unsere Überzeugung, diese Welt und ihre Herausforderungen im Griff zu haben, hat einen deutlichen Knacks bekommen – durch ein unsichtbares Virus und seine Folgen.

Die Dunkelheit des Dezembers passt in diesem Jahr zur weltweiten Erfahrung „im Dunkeln“ zu stehen. Da erreicht uns zu Weihnachten die Lichtbotschaft dieses Kindes, die in dem Bild so eindrücklich ausgedrückt ist: „Fürchtet Euch nicht, denn euch ist heute der Heiland gebo-ren!“
Das Bild lädt ein, sich neben die Hirten zu stellen und mit zu staunen, sich beglänzen zu lassen von dem hellen Licht, das vom Kind ausgeht. In ihm kommt Gott zu uns in die Welt. Was die Vernunft nicht fassen kann, kann unser Herz ergreifen. Gott kommt in unsere Dunkelheit, um es hier hell und froh zu machen – auch in diesem Jahr.

Mit unseren schwierigen Erfahrungen der letzten Monate kommen wir wie die Hirten zu dem Kind und können schauen und uns anrühren lassen von dem, was wir hier erfahren: Wir sind nicht allein: Gott ist bei uns, um es hell zu machen auf dieser Welt. Eine Botschaft, die uns staunen lässt, die uns ergreift und in Bewegung setzt. Wir können selber zu Trägern des Lichts werden. In der Weihnachtsgeschichte heißt von den Hirten es: „Da sie es aber gesehen hatten, breiteten sie das Wort aus, welches zu ihnen von diesem Kind gesagt war.“ Folgen wir Ihnen und tragen das Licht in unsere oft dunkle Welt, um sie heller und friedlicher und froher zu machen.

Ein gesegnetes Weihnachtsfest wünscht Ihnen
Ihr Jörg Hagen, Propst in Uelzen

 

Tageslosung

Dienstag, 26. Januar 2021
Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?
Jesus spricht: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!


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