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Barmherzig

Wort zum Jahreswechsel

O lá,lá, dachte ich, „barmherzig“. Ich liebe dieses etwas in die Jahre gekommene Wort, das vielleicht nicht zum aktiven Wortschatz von jedem und jeder gehört. Zur kirchlichen Praxis aber schon; denn es ist biblischer Sprachgebrauch.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Das Wort stammt aus dem Lukasevangelium, Kapitel 6, und ist die Jahreslosung für 2021. Es meint Mitgefühl, ein Herz haben für sich und andere. Es meint, das Herz erwärmen, also Energie und Kräfte entwickeln. Interessant finde ich, dass die Herzenskräfte weniger über den Kopf und den Verstand, sondern vielmehr über die Gefühle und Empfindungen, eben über das Herz laufen.

Mir scheint, ob jemand barmherzig ist und handelt, hat mit seinem Leben, seinen Kindheitserfahrungen zu tun, dem häuslichen Umfeld, den Geschichten, mit denen er und sie aufgewachsen ist, welche Bücher er liest und welche Musik sie hört – besser gesagt, ob er von Astrid Lindgren berührt worden ist oder von Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur. Zusammengefasst, ob er und sie geborgen aufgewachsen ist und noch immer eine Ahnung davon spürt, dass wir von Gottes Barmherzigkeit ein Leben lang eingehüllt und umgeben sind.

Mit anderen Worten: Barmherzigkeit kommt von Barmherzigkeit. Ich könnte hier Schluss machen, aber nein – es geht noch weiter: Ich hatte an Heiligabend ein Erlebnis, das meinem Nachdenken über Barmherzigkeit noch zwei Dinge hinzufügt, Lob und Dank nämlich. Nach der Andacht spricht mich eine ältere Dame an, die sich selbst als nicht-gläubig bezeichnet, und die Tränen befeuchten ihre Maske. Sie bedankt sich, weil wir für das medizinische Pflegepersonal gebetet haben, das sich bis über beide Ohren, mit Haut und Haar schon immer und jetzt ganz besonders für die Kranken einsetzt.

Nichts ist selbstverständlich, weder die großen Hilfen noch die kleinen, die von den Ritas, Carstens, Jörgs, Dorothees, Petras, Hermanns, Stefans, Steffis, Ankes ... geleistet werden. Danke euch. Auch euch, den Bedenkenträgern, Recht-aus-Denkern, den Unbedarften, den Einfach-Machenden, den Respektvollen: Danke euch, die Ihr unterstützt, ohne euer eigenes Konto füllen zu wollen. Daumen hoch! Und danke, Gott, für sie!

Pastorin Utta Dittmar
Ev.-luth. Kirchengem,einde Holdenstedt

 

Tageslosung

Dienstag, 26. Januar 2021
Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt?
Jesus spricht: Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!


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