• Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size
Startseite Wort zum Sonntag Über den Tellerrand schauen

Über den Tellerrand schauen

Wort zum Sonntag, 03.10.2021 (Erntedankfest)

Leuchtende Sonnenblumen stecken in Milchkannen. Karotten und Zierkürbisse liegen dekorativ auf Strohballen. Kartoffelkisten sind randvoll gefüllt mit „Belana“ und Apfelkisten mit „Boskop“. Und im Mittelpunkt prangt die Erntekrone. Viele Altäre in unseren Kirchen sind am Sonntag festlich für den Erntedanktag geschmückt.

Wir bieten alles auf, was wir im vergangenen Jahr geerntet haben: die Früchte aus den eigenen Gärten, von heimischen Feldern und vom Wochenmarkt. Und auch wenn es hier und da bei der Ernte Einbußen gab, unsere Teller sind gut gefüllt. Gott sei Dank!

Wenn wir allerdings über unseren Tellerrand hinausschauen, sieht es ganz anders aus. Bis zu 811 Millionen Menschen sitzen weltweit vor leeren Tellern. Jeder zehnte Erdenbürger leidet an Hunger. Und es sind in diesem Jahr noch mehr geworden. David Beasley, der Leiter des Welternährungsprogramms, warnt vor „Hungersnöten biblischen Ausmaßes“.

Die Gründe für den Hunger in der Welt sind vielfältig. Die Folgen des Klimawandels wie Dürren, Stürme und Starkregen, aber auch Kriege und Misswirtschaft sorgen oft für Not und Elend. Zur Verschärfung der Lage kommt in den von Hunger bedrohten Ländern noch die COVID-19-Pandemie hinzu. Viele Staaten, beispielsweise in Afrika, haben mit Lockdowns auf die Krise reagiert. Dies hat ganz besonders die Ärmsten hart getroffen, die von der Hand in den Mund leben. Hilfsorganisationen wie die Welthungerhilfe warnen schon seit geraumer Zeit: „Wenn wir nicht handeln, werden durch COVID-19 bedingte Hungersnöte deutlich mehr Menschen sterben als durch das Virus selbst.“

Wie fällt die Ernte in diesem Jahr aus? Eine Frage, die wir jedes Jahr an Erntedank stellen. Eine Frage, die über den eigenen Tellerrand hinausweist. Wie fällt die Ernte auf anderen Tellern, in anderen Scheunen, in anderen Ländern aus?

Der Klimawandel und die Corona-Pandemie lehren uns, dass die Probleme in dieser Welt uns letztlich alle betreffen und wir sie nur gemeinsam lösen können. Und das betrifft nicht nur einen winzigen Virus und die globale Klimakrise, sondern auch den Hunger in der Welt. So lokal begrenzt die Armut auch ist, so global sind ihre Ursachen und Folgen. Spekulationen mit Lebensmitteln und das Konsumverhalten in den Industrieländern sind mitverantwortlich. Und die Folgen wie Flucht und Unruhen werden sich auch nicht lokal eingrenzen lassen.

Die Teller in dieser Welt und was darauf zu finden ist, stehen in Beziehung zueinander. Sie stehen nicht auf getrennten Tischen, sondern auf ein und demselben Tisch. Deswegen blicken wir an Erntedank auf unseren Erntedankaltar, auf unseren Teller und immer auch über unseren Tellerrand hinaus auf den Teller unseres Tischnachbarn.

Pastorin Iris Junge,
St. Marien Uelzen

 

 

Tageslosung

Donnerstag, 21. Oktober 2021
Rut sprach: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.


Copyright 2021 Ev.-luth. Kirchenkreis Uelzen. Alle Rechte vorbehalten.