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Nicht geheilt und doch heil

Wort zum Sonntag, 10.10.2021 (19. So. n. Trinitatis)

Nie wieder wird es sein wie vorher. Vor dem Unfall. Ihre Zeit teilt sich ein in ein Davor und ein Danach: Vorher, als alles noch gut war. Sie stand mitten im Leben. Gesund. Endlich mit den beruflichen Perspektiven, die sie sich immer gewünscht hatte. Auch privat lief alles gut. – Und dann der Unfall. Ob sie je wieder laufen kann? Die Ärzte sagen, die Chancen stehen gut. Aber es wird ein langer Weg. Alles ist anders. Schwerer. Anstrengender. Danach.

Ihr Körper ist nicht mehr derselbe. Die Verletzungen sind unübersehbar. Sie kann ihre Beine nicht gebrauchen. Kann nicht stehen, nicht gehen. Jeder Versuch sie zu bewegen ein einziger Schmerz. Es macht ihr zu schaffen, wie schnell sie ihre Grenzen erreicht, unendlich erschöpft ist vom Training, dass sie nicht kann, wie sie will.

Der Mensch besteht aus Körper und Geist. Sie hat darüber gelesen in den Wartezimmern ihrer Ärzte. Die Gesundheit des einen geht nicht ohne die Gesundheit des anderen. Achtsamkeit, die Sorge um beides: Unsere körperliche und seelische Gesundheit gehören zusammen – nur dann geht es dem Menschen GANZ gut. Und wenn nicht?

Ihr Bein wird nie wieder gut werden. – Und doch befindet sie sich auf dem Weg der Heilung. Ihrer Heilung: Sie ist froh, noch am Leben zu sein. Es hätte auch ganz anders ausgehen können. Mit jedem Schritt, den sie zurück ins Leben macht, nimmt sie an, was ihr passiert ist. Sie versucht, den Unfall in ihr Leben zu integrieren. Seine Folgen anzunehmen. Wieder ganz sie selbst zu werden.

Sie dankt Gott, dass sie noch lebt. Sie genießt jeden Tag, der ihr geschenkt wird. Und sie hat begriffen: Es kommt weniger auf die körperliche Unversehrtheit an. Die geht mit dem Leben, das wir leben und den Verletzungen, die uns widerfahren, eh dahin.

Ihr Körper trägt die Spuren ihres Lebens. Einzigartig. Und jede Spur davon ist wunderschön. Das ist HEILUNG, die ihr widerfahren ist, sich GANZ fühlen, auch wenn der Körper nicht mehr ganz ist, und sich trotz ihrer Verletzungen heil fühlen.

Und die kaputten Beine? Sie werden zu ihr gehören. Ihr ganzer Körper in all seiner Versehrtheit, nicht geheilt und doch heil.

Pastorin Susanne Schulz,
Ev.-Luth. St.-Laurentius- und
St.-Martin-Kirchengemeinde Nettelkamp


 

 

Tageslosung

Donnerstag, 21. Oktober 2021
Rut sprach: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.
Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.


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