Dienen statt bedient werden


Wort zum Sonntag, 03.04.2022 (Judica, 5. So. d. Passionszeit)

von Pastorin Ann-Kathrin Averbeck, Ev.-luth. Kirchengemeinden Gerdau und Eimke
Ann-Kathrin Averbeck (Foto: privat)

„Wir wollen auf den besten Plätzen sitzen“, sagen zwei Jünger zu Jesus. Sie wollen gesehen und bestaunt werden, anerkannt und etwas Besonderes sein. Doch der Weg dorthin ist anders, als erwartet. Jesus sagt zu ihnen: „Wer von euch der Erste sein will, soll der Diener von allen sein.“ Dienen statt bedient werden. Das hatten sie nicht erwartet. Die Verhältnisse werden umgedreht.

In meinem Kopf geht das Bild auf von einem Diener, der sich unterwirft, einer, der alles machen muss und dabei seine Würde verliert. Doch das muss nicht sein. Ich kann einem anderen auch dienen und sehr wohl wissen, wer ich bin. In den Ritz-Carlton Fünf-Sterne Hotels gilt für die Angestellten die goldene Regel: „We are ladies and gentlemen serving ladies and gentlemen.“ (Wir sind Damen und Herren, die Damen und Herrn dienen.) Dieser Satz kommt aus der Chefetage. Die Chefs und Manager der Hotelkette begegnen ihren Mitarbeitenden auf Augenhöhe und genauso begegnen die Mitarbeitenden ihren Gästen auf Augenhöhe. Die Angestellten müssen sich nicht alles gefallen lassen. Sie wissen, dass sie einen Wert haben.

Robert Greenleaf entwickelte zu diesem Thema eine Philosophie der Führung: dienende Leitung (servant leadership). Die Aufgabe des Leiters ist es demnach, die Bedürfnisse der anderen zu identifizieren und versuchen, sie zu befriedigen. Um anderen zu dienen, muss ich mich ihnen nicht unterwerfen. Es geht nicht darum, weniger von mir selbst zu denken, sondern weniger an mich selbst zu denken. Ich werden nicht von anderen gedemütigt, sondern ich mache mich freiwillig klein, um anderen zu dienen. Dabei muss ich den anderen nicht immer alles recht machen, ich kann auch helfen, sie aus ihrer Komfortzone zu holen.

Dr. Malte Detje stellt dazu die Frage: „Wachsen die Personen, denen gedient wird? Werden sie, während ihnen gedient wird, gesünder, weiser, freier, selbständiger und wahrscheinlich selbst einmal Diener?“

Ein Vorbild als Diener ist Jesus selbst. Er kam auf die Welt, um den Menschen zu dienen. Was ist das für ein Gott? Er will nicht bedient werden, sondern er kommt selbst als Diener. Jesus dient mir. Er schaut sich mein Leben und meine Aufgaben mit an. Er hilft mir und fordert mich heraus, auch unangenehme Schritte zu gehen. Weil er mir dient, diene ich auch anderen.

Pastorin Ann-Kathrin Averbeck,
Kirchengemeinden St. Michaelis Gerdau und St. Marien Eimke