Neues ist geworden


Wort zum Sonntag, 08.05.2022 (3. So. n. Ostern, Jubilate)

von Pastor Hermann-Georg Meyer, Ev.-luth. Kirchengemeinde Bevensen-Medingen
Hermann-Georg Meyer (Foto: privat)

Wunderschön in diesen Tagen – die Momente am frühen Morgen. Still ruht noch die ganze Welt. Nur die Vögel begrüßen mit immer lauter werdendem Gezwitscher den neuen Tag. Der Sonnenball erscheint im Morgendunst. Erhebende Momente, die der Seele gut tun in unruhigen Zeiten. Helles Grün zeigt sich überall. Es sprießt und sprosst. Und man kann wirklich den Eindruck haben: Alles neu macht der Mai. 

Doch der Frieden scheint in weite Ferne gerückt. Zerstörte Städte in der Ukraine, Unzählige auf der Flucht. Bedrückende Bilder und Erzählungen von Menschen, die der Gewalt entkommen sind, berühren. Und bei uns erleben wir die, die mit ihren Kindern Schutz suchen. Geflohene, die in großer Sorge um ihr Land und ihre Lieben in der Heimat sind. Freiwillige und Behörden helfen anzukommen, unterstützen, trösten, übersetzen und vermitteln, oft bis zur eigenen Erschöpfung. Doch dankbar, etwas tun zu können. 

„Jubilate! – Jubelt, lobsinget!“ So klingt uns mit dem Namen dieses Sonntags – fast unpassend – die Freude der österlichen Zeit entgegen. Nichts muss so bleiben, wie es ist. Leid und Tod sollen das Leben nicht mehr bestimmen. Neues ist geworden. Wer hätte das am 8. Mai 1945 am Ende des zweiten Weltkriegs gedacht. 

Mit Ostern ist eine neue Zeit angebrochen. Sie ist etwas anderes als der Kreislauf von Werden und Vergehen. Diese neue Zeit trägt den Namen Versöhnung. Mit Gott versöhnt zu sein bedeutet, ein anderes Leben zu beginnen. Nichts Übermenschliches. Christen sind – Gott sei Dank – auch nur Menschen, nicht unbedingt besser als andere. Doch sie leben die Hoffnung, die Hoffnung auf Veränderung, viele mit einem klaren Blick auf die brutalen Realitäten unserer Zeit.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“, so die biblische Botschaft. In Christus sein – das ist das Grundrecht des Menschen, ein anderer zu werden. Frieden und Freiheit zu leben – und Altes, Bedrückendes hinter sich zu lassen.

Die kraftvolle Freude, mit der unsere Ondini-Partnergemeinden in Südafrika aus der Pandemie heraus gerade Ostern gefeiert haben, berührt mich sehr. Miteinander schöpfen sie neue Kraft, teilen die Freude, beten für den Frieden und  schicken Zuversicht in die Welt.  
Hoffnung sprießt wie das frische Grün – trotz allem! Davon will ich mich anstecken lassen mit Frieden im Herzen.

Hermann-Georg Meyer
Pastor in Bad Bevensen und Medingen