Beten hilft


Wort zum Sonntag, 22.05.2022 (5. So. n. Ostern, Rogate)

von Pastor Armin Sauer, Ev-luth. St. Petri Kirchengemeinde Uelzen
Armin Sauer (Foto: Hanns-Martin Fischer)

Heute schon gebetet? Nein? Probieren Sie es doch einfach aus. Der morgige Sonntag Rogate (Betet!) ermuntert genau dazu.

Worum geht es eigentlich beim Beten? Um Kontakt mit Gott – Gottkontakt also.

Das kürzeste Gebet sprechen Leute oft dann aus, wenn sie vor etwas erschrecken: „O Gott!“ Man kann natürlich einwenden: „Das ist doch gar kein Gebet. Das ist nur so ein allgemeiner Ausruf.“ Aber es ist kein Zufall, dass vielen Leuten Gott einfällt, wenn sie staunen oder erschrecken. Denn in diesem Moment erleben sie etwas, das über den Horizont ihres Alltags hinausgeht. Und genau darum geht es beim Kontakt mit Gott: Erkennen, dass das Leben mehr ist als das, was ich mit meinen fünf Sinnen erfassen kann. Dem Leben wohnt ein Geheimnis inne. Es ist eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Dazu sagen Christen Gott. Und wie komme ich an Gott heran? Lässt er mit sich reden? Klar: Man nennt es beten.

Was bringt Beten? Verändert sich etwas, wenn ich bete? Die Frage drängte sich gerade dann auf, als zunächst das Corona-Virus und dann der russische Krieg gegen die Ukraine viele in Angst und Schrecken versetzte.

Was bringt Beten? Darauf kann man eine naturwissenschaftliche Antwort geben: Beim Beten werden bestimmte Bereiche des Gehirns besonders stimuliert. Das wirkt sich aus auf die Gefühle und das Denke. Beten bewirkt also zumindest bei dem etwas, der betet.

Was bringt Beten? Es gibt auch eine psychologische Antwort: Im Gebet mache ich mir meine Wünsche, Sehnsüchte und Hoffnungen bewusst. Danach kann ich sie gezielter versuchen umzusetzen.

Jesus macht Mut, an die Macht des Gebets zu glauben. Er sagt: „Bittet, so wird euch gegeben. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.“ (Matthäus 7, 7 - 11) Aber Jesus macht auch deutlich: Gott lässt sich zu nichts zwingen. Gottkontakt ist kein Kundenkontakt. Mit einer Kosten-Nutzen-Rechnung lässt sich ein Gebet nicht erfassen.

Das wird im Vater Unser deutlich. Dieses zentrale Gebet der Christenheit enthält allerlei Bitten zur Verbesserung der Menschen und der Welt. Doch dieser Katalog der Wünsche mündet in den Satz: „Dein Wille geschehe.“ Gott ist eben kein Dienstleister. Er ist auch nicht der Erfüllungsgehilfe meiner Wünsche. Gott ist Gott. Man kann Gott alles sagen. Aber man weiß nicht, was Gott daraus macht. Und das ist oft auch gut so.

Wer Kontakt zu Gott aufnimmt, wer also betet, legt sich und die Welt in Gottes Hand. Mehr ist es nicht. Aber vielleicht liegt gerade darin die größte Wirkung eines Gebets: Sich und die Welt in Gottes Obhut zu wissen. Das entlastet. Das macht Hoffnung. Daraus ergibt sich auch allerhand zu tun. Gott braucht Helferinnen und Helfer für seine Pläne für die Welt. Insofern: Beten hilft, denn Beten verändert die Welt.

Armin Sauer
Pastor in Uelzen