Vorbild oder Meinung


Wort zum Sonntag, 31.07.2022 (7. So. n. Trinitatis)

von Matthias Kuna-Hallwaß, Pastor in den Kirchengemeinden Barum-Natendorf und Ebstorf
Matthias Kuna-Hallwaß (Foto: privat)
Matthias Kuna-Hallwaß (Foto: privat)

„Die Welt verändert sich durch dein Vorbild, nicht durch deine Meinung!“. – Dieses Zitat wird dem brasilianischer Schriftsteller Paulo Coehlo zugeschrieben. Es passt in unsere Zeit. Denn: Meinungen – durchdachte und weniger durchdachte – gibt es in unserer (Medien-)Welt viele. Aber: Gute Vorbilder? Fällt Ihnen da jemand ein? 

Angesichts der sich anbahnenden Energiekrise brauchen wir gute Vorbilder - im Energiesparen, im Konsumverzicht, im reduzierten Leben. Die Zeiten eines „immer mehr und immer größer“ sind vorbei – das spüren gerade viele Menschen. Der Krieg in Europa, Hitzetote in Südeuropa, die fortschreitende Klimakrise. Es bedarf eines anderen, eines enkeltauglichen, eines nachhaltigeren Lebensstils. Dafür braucht es Vorbilder. 

Bei Vorbildern ist eindeutig: Menschen spüren, ob sie es ernst meinen ober nicht. Ist es nur Meinung oder tun sie es aus Überzeugung und aus einem Herzensanliegen heraus? Fahrrad statt Auto. Ostsee statt Flugreise. Vegetarisch essen statt immer Fleisch. 18 Grad Heiztemperatur im Haus statt 21 Grad. Drüber reden kann jeder – aber wer setzt es freiwillig um und ist damit ein wirkliches Vorbild?

Auch wir als Kirche haben eine Vorbildfunktion und wir müssen angesichts der aktuellen Situation genau überlegen, wie wir handeln. Ein Beispiel: Fast alle Kirchen im Kirchenkreis Uelzen haben eine Gas- oder Öl-Heizung. Der Gas-Verbrauch einer großen Kirche entspricht ungefähr dem Gasverbrauch von fünf Einfamilienhäuser. Ist es da gerechtfertigt und vorbildhaft, Kirchen im kommenden Winter zu heizen? Und was sind die Konsequenzen, wenn wir es nicht tun? Wie könnten gute Alternativen aussehen? Schicken Sie mir gerne Ihre Meinung, liebe Leserin, lieber Leser. Ich bin gespannt.

Egal, wie schlimm es mit der Energiekrise kommt: Die Botschaft des Evangeliums wird auch in diesen Zeiten und im kommenden Winter bei den Menschen ankommen. Denn Jesus war schon immer für viele Menschen ein gutes Vorbild. In seiner Menschenfreundlichkeit, in seiner Zugewandtheit für Kranke, Einsame und Fremde. Und in seinem Gottvertrauen, das sein Leben bis in den Tod und darüber hinaus getragen hat.

Sich an diesem Vorbild Jesu zu orientieren – ihm freiwillig und mit ganzem Herzen nachzufolgen, das kann auch in unserer heutigen Welt nicht falsch sein. Und vielleicht werden wir dann selbst zum Vorbild für andere. 

Matthias Kuna-Hallwaß,
Pastor in den Kirchengemeinden Barum-Natendorf und Ebstorf
E-Mail: Matthias.Kuna@evlka.de