Sommerfreuden


Wort zum Sonntag, 07.08.2022 (8. So. n. Trinitatis)

von Pastor Johannes Luck, Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen
Pastor Johannes Luck (Foto: Jochen Quast)

Zum Sommer gehören Postkarten dazu! Solche mit roten Sonnenuntergängen drauf, solche mit Gebirgen, mit dumpf-gemütlich dreinschauenden Kühen. Zum Sommer gehören WhatsApp-Nachrichten von besten Freunden mit Softeis in der Hand, mit Booten auf glitzerndem Wasser, Selfies mit Sonnenbrille und sonnengebräunter Haut. Zum Sommer gehören Spazierengehen und Fahrradfahren, Schwitzen leider auch – und die kühle Dusche hinterher, besser noch das Bad im Meer. Der Sommer riecht nach Grillbriketts und Sonnencreme. Der Sommer ist so wunderschön! Gartenfeiern mit Wimpelketten im Baum, Kerzen in Gläsern – ein Sommernachtstraum. Ein Glas Aperol mit Eiswürfeln drin, das Zirpen der Grillen, das ist mein Ding! Im Sommer, da darf man die Füße hochlegen. Und das nicht nur für einen Tag. Im Sommer, da steht das Leben mal auf Pause. Da ist auch mal Zeit, die Seele auszustrecken.

Nun könnte man denken, darf das denn sein? Schließlich sind die Krisen größer denn je. Corona und Krieg, Inflation und Energie. Darf man da einfach den Sommer genießen?

Bei uns in der Wohnung stehen die Sommerpostkarten ganz bewusst neben dem Fernseher, über den die Krisenmeldungen tagtäglich flimmern, um uns zu zeigen, dass das Leben stärker ist als die Krise. Ich finde es beeindruckend, dass gerade Paul Gerhardt, der christliche Liederdichter, der selbst viele private Krisen erlebte, das bis heute bekannteste christliche Sommerlied schrieb: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“, heisst es, „in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben“.

Dieses Lied zeigt so fröhlich-sommerlich, dass gerade, wenn die Krisen durch die Welt toben, die Bedeutung des Sommers besonders deutlich sichtbar wird: Eine Zeit der Freiheit, zum Freuen und Genießen. Eine Zeit, die Schönheiten zu entdecken, die das Leben jeder und jedem von uns schenken will – trotz Krisen, die sich täglich auf unser Smartphone und in die Tagesschau drängen.

Also, lasst uns rausgehen und die Freude suchen in diesem Sommer, ganz allein und zusammen mit Familie und Freunden. Ohne die Krisen zu verdrängen. Nein, um die Kraft aufzusaugen, die Gott in das kleinste Pflänzchen, in die Sonne, das Wasser und das leuchtende Grün hineingelegt hat. Und daraus Kraft mitzunehmen, etwas gegen das Dunkle in der Welt zu tun, da wo es uns möglich ist.

Ich wünsche Ihnen allen einen postkartenreifen Sommer!

Pastor Johannes Luck
Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen