Hoffnung für jeden


Wort zum Sonntag, 21.08.2022 (10. So. n. Trinitatis)

von Thomas Schulze, Pastor der Friedenskirche Uelzen
Thomas Schulze, EFG Uelzen (Foto: privat)

Über dem morgigen Sonntag steht in vielen Kirchen der Bibelvers aus Psalm 33,12: "Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, dass er zum Erbe erwählt hat."

Über Ethnien, Völker, Nationen werden sich zur Zeit viele Gedanken gemacht. Wer russisch spricht, wird momentan manchmal schief angeschaut. Wer eine dunklere Hautfarbe hat, bekommt oft schlechter einen Job als die mit hellerer Hautfarbe. Manchmal wird auch Kultur, Religion und Herkunft vermischt oder verwechselt: Wer mit einer Kippa durch die Stadt läuft, wird in Uelzen noch interessiert angesprochen, muss aber in Großstädten um seine Gesundheit fürchten.

Während die einen von kulturellen oder auch sichtbaren Unterschieden nichts wissen wollen und die Benennung von Unterschieden am liebsten aus Gesellschaft und Sprachschatz verbannen wollen, legen andere zu viel Akzent auf die Unterschiede, die sie schnell auch mit höherem oder geringerem Wert verbinden. So nehme ich das zumindest wahr. Beide Einstellungen empfinde ich als extrem und unsinnig. Vielfalt, auch in den verschiedenen Hautfarben und Kulturen, ist in der Bibel von Anfang an geplant, und Gott hält es für nötig, einzugreifen, als die Menschen sich der Verteilung über die Erde entgegenstellen (Turmbau zu Babel). Er hält es aber ebenso nötig, seinem auserwählten Volk Israel das Gebot mitzugeben, dass sie Menschen aus anderen Ländern und Kulturen nicht unterdrücken und für minderwertiger behandeln sollen. Davon können wir uns heute gerne wieder eine Scheibe abschneiden.

Und obwohl sich Gott ein Volk, nämlich Israel, ausgewählt hat, ist er sich nicht zu schade, auch für die Rettung anderer Völker zu sorgen, die mit „seinem Volk“ verfeindet sind – vielleicht kennen Sie die Geschichte von Jona, der in die feindliche Hauptstadt gehen soll, um dort Gottes Gnade möglich zu machen.

Kein Grund also, die Nase zu rümpfen, wenn Gott sich eben ein kleines Volk auswählt – nicht, um es bevorzugt zu behandeln oder andere Nationen als minderwertig abzustempeln – sondern, um durch dieses Volk alle anderen Nationen dieser Welt zu retten. Als Christen glauben wir, dass er das durch Jesus Christus, der als Jude geboren, gestorben und auferstanden ist, getan hat. Und seitdem kann jeder, der an ihn glaubt, Hoffnung für sein Leben hier und nach dem Tod haben und eine gute, liebevolle Beziehung zu Gott und anderen Menschen führen – und froh sein, dass Gottes Entscheidungen mehr Sinn haben, als wir sie oft im ersten Moment verstehen - oder verstehen wollen.

Thomas Schulze, Pastor der Friedenskirche Uelzen