„Hinfallen, aufstehen, weitergehen“


Wort zum Sonntag, 04.09.2022 (12. So. n. Trinitatis)

von Michael Fendler, Schulpastor BBS I Uelzen
Michael Fendler (Foto: privat)

In diesen Tagen findet die Weltversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe statt. Etwa alle acht Jahre treffen sich alle christlichen Kirchen: orthodoxe, katholische, evangelische und viele weitere. Es ist die größte christliche Versammlung auf der Welt, vielleicht vergleichbar mit den Vereinten Nationen in New York. Das Motto heißt diesmal: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“.

Dass die Liebe eine große Kraft in unserem Leben ist, dem würden sicher die meisten Menschen zustimmen. In unseren Familien, in unserer Nachbarschaft, am Arbeitsplatz, immer wieder schafft Liebe einen neuen Anfang. Aber, dass sie ein Motto für die ganze Welt sein soll, beeindruckt mich doch. Sie soll also eine Antwort sein auf all die drängenden Fragen, die die Welt bewegen?

Vielleicht erinnern Sie sich an das Wort von Paulus aus dem ersten Korintherbrief über die Liebe: „Die Liebe ist geduldig. Gütig ist sie, die Liebe. Die Liebe ereifert sich nicht. Sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Sie ist nicht unverschämt. Sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie ist nicht reizbar und trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht, wenn ein Unrecht geschieht. Sie freut sich aber, wenn die Wahrheit siegt. Sie erträgt alles. Sie glaubt alles. Sie hofft alles. Sie hält allem stand“ (1. Korinther 13).

Eine sehr schöne Beschreibung von Liebe. Sie wird gerne von Brautpaaren genommen, die ihre Liebe in diese Beschreibung einzeichnen. Sie vermag das auszudrücken, was die Menschen im Ansatz fühlen. Was sie wollen, aber auch immer wieder verfehlen. Was sie anstreben, aber wieder aus dem Blick verlieren. Wohin sie sich immer wieder orientieren wollen. Die Liebe, das ist die richtige Richtung, das ist der Ausweg aus den endlosen Wiederholungen, die wir mit unseren menschlichen Grenzen erleben.

Wie gut, dass es einen gibt, der es uns vorgemacht hat, was Liebe bedeutet. Die Vollversammlung spricht ja von der Liebe Christi. Jesus Christus hat die Welt geliebt, so sehr, dass unsere Versuche zu lieben nicht umsonst sind. Wir dürfen lieben, immer wieder neu, dabei Fehler machen, hinfallen und wieder aufstehen. Wie diese Prinzessin, von der es heißt: „Hinfallen, aufstehen, Krönchen richten, weitergehen.“

Seine Liebe hält uns fest, gibt uns die Hand und richtet uns wieder auf. Als Aufgerichtete, als Prinzessinnen und Prinzen, dürfen wir deswegen durch das Leben gehen. Und dürfen versuchen, kleine und große Probleme der Welt mit Liebe zu lösen. 

Michael Fendler,
Berufsschulpastor an der BBS I Uelzen