Wie kann ich helfen?


Wort zum Sonntag, 11.09.2022 (13. So. n. Trinitatis)

von Johann Garms, Stud. theol. in Göttingen
Johann Garms (Foto: privat)

Wann haben Sie das letzte Mal nach Hilfe gefragt? Und wurde diese Bitte beantwortet? Vielleicht denken Sie an den platten Reifen am Fahrrad, bei dessen Wechsel die Nachbarin geholfen hat. An einem heißen Sommersonntag platzte auf dem Heimweg der Reifen und ein Ersatzschlauch war zuhause nicht zu finden. Zum Glück hatte die Nachbarin das Debakel mitbekommen und einen Ersatzschlauch vorbeigebracht. Und wo sie dann schon mal da war, hat sie auch gleich bei dem Abschluss der Reparatur geholfen. Oder auf der letzten Feier ist Ihnen die Brille runter gefallen und der Tanzpartner hat bei der Wiederherstellung des Durchblicks geholfen.

Doch es gibt auch Menschen, deren Flehen auf der Straße regelmäßig abgewiesen wird oder die sich durch komplizierte Bürokratien kämpfen müssen, bis ihre Bitten nach notwendiger Hilfe eventuell erfüllt werden. Sei es aufgrund einer Sprachbarriere durch eine andere Muttersprache oder schwer zu verstehenden Strukturen für die Beantragung von Hilfsmitteln.

Es gibt auch Menschen, die niemanden haben, den sie um Unterstützung bitten können, weil sie durchs hohe Alter an ihre Wohnung gebunden sind oder während einer Pandemie in eine fremde Stadt gezogen sind und einfach noch niemanden vor Ort kennenlernen konnten.

Dass Not unbeantwortet bleibt ist kein neues Phänomen und lässt sich bereits in einer alten Erzählung finden. Die Geschichte handelt von einem Reisenden, der auf seinem Weg von Jerusalem nach Jericho überfallen und schwer verletzt zurückgelassen wird. Die nächsten zwei Passanten, die an ihm vorbeikommen, gehen vorbei ohne ihn weiter eines Blickes zu würdigen. Der dritte aber, ein Samariter, bleibt stehen, schaut ihn an und hilft ihm und nimmt ihn mit. Wie kommt es, dass nur der Samariter dem Verletzten hilft? Er ist der Einzige unter den drei Passanten, der mit offenen Augen  durchs Leben geht und erkennt, dass jemand in Not ist, auf diese Erkenntnis mit offenem Herzen reagiert und beschließt, nicht vorbeizugehen. Er hilft, indem er nicht ignoriert!

Wie kann ich helfen? Die Frage habe ich mir auch gestellt, als ich auf dem Weg zum Einkaufen von einer Frau nach Geld gefragt wurde. Mein erster Gedanke war, dass ich das Geld benötige um gleich einzukaufen. Doch dann fiel mir ein, dass ich mittlerweile sowieso das meiste mit Karte bezahle und ich das Kleingeld in meiner Tasche nicht unbedingt brauchte. Als ich stehen blieb und ihr mein übriges Taschengeld gab, hat sie sich gefreut. 

Es braucht also nicht viel um Leuten zu helfen. Vielleicht fällt ihnen auch eine Möglichkeit ein?

Johann Garms, Theologie-Student in Göttingen,
z. Zt. im Gemeindepraktikum in der Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bad Bevensen-Medingen