Vergesslich ...


Wort zum Sonntag, 18.09.2022 (14. So. n. Trinitatis)

von Pastor Matthias Kuna-Hallwaß, Kirchengemeinden Barum-Natendorf und Ebstorf
Matthias Kuna-Hallwaß (Foto: privat)
Matthias Kuna-Hallwaß (Foto: privat)

Unsere große Tochter geht seit ein paar Wochen in die 1. Klasse. Sie kommt aus der Schule zurück. Ich warte an der Bushaltestelle auf sie. Sie steigt aus dem Bus und ich denke: Da fehlt doch etwas. Im nächsten Moment sagt sie: „Papa, ich habe meine Jacke am Haken vergessen.“ – „Nicht schlimm“, sage ich zu ihr, „die kannst du dann ja morgen aus der Schule wieder mitnehmen.“

Später komme ich vom Einkaufen nach Hause. Ich verstaue Obst, Gemüse, Käse und Milch im Kühlschrank. Dann setze mich wieder an den Schreibtisch ins Arbeitszimmer. Fünf Minuten später. Meine Frau ruft: „Matthias, wo ist denn der Quark, den du mitbringen wolltest?“ – „Upps, vergessen!“, rufe ich kleinlaut zurück. Da war ich wohl mal wieder ein wenig zu schnell und vergesslich beim Einkaufen.

Im Wochenspruch aus dem 103. Psalm für die kommende Woche heißt es: „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!“

Vergessen gehört zu unserem Alltag. Jeder vergisst mal was. Man verschwitzt einen Termin oder der Name des Gegenübers fällt einem nicht ein. Das Vergessen von nicht so wichtigen Dingen wie der Jacke in der Schule oder den Quark im Supermarkt – das ist nicht wirklich schlimm und hat auch keine gravierenden Konsequenzen. Kleine Fehler, die sich schnell wieder gut machen lassen.

Aber manchmal vergessen wir auch wichtige Dinge, z. B. Solidarität und Nächstenliebe mit den Menschen, die in Krisenzeiten wie heute Hilfe brauchen. Oder wir vergessen, dass wir diese Erde als Schöpfung Gottes nur von unseren Kindern geliehen haben - und wir sie für kommende Generationen schützen und bewahren müssen. Oder wir vergessen, was Gott jedem von uns - ganz persönlich - Gutes tut bzw. getan hat.

Für mich kann ich sagen: Ich fühle mich an vielen Stellen im Leben reich beschenkt: mit Menschen, die mir wichtig sind und die mich schätzen und lieben, mit dem Glück in Deutschland geboren worden zu sein und so in einem der reichsten Länder der Welt leben zu dürfen.

Vieles Gute in meinem Leben erscheint mir oft selbstverständlich. Ich habe das Gefühl: Das steht mir doch wohl zu! Jeden Tag ein reich gedeckter Tisch, eine warme Wohnung, ein voller Kleiderschrank oder der „wohlverdiente“ Urlaub. Aber ist das wirklich so? Habe ich das wirklich „verdient“ - oder habe ich nur vergessen, wem ich das zu verdanken habe?

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was ER dir Gutes getan hat!“ Der Wochenspruch erinnert daran, nicht zu vergessen, was Gott mir und Dir Gutes getan hat.

Pastor Matthias Kuna-Hallwaß,
Pastor in den Kirchengemeinden Barum-Natendorf und Ebstorf