„Wer Sorgen hat, hat auch Likör“


Wort zum Sonntag, 25.09.2022 (15. So. n. Trinitatis)

von Pastor Robert Mogwitz, Ev.-luth. Christusgemeinden Uelzen und Molzen (SELK)
Robert Mogwitz (Foto: privat)

… so, frei nach Wilhelm Busch, kann ich es noch manchmal auf Besuchen von der älteren Generation hören. Dankbar erzählen die Menschen, wie Gott sie in Kriegsnöten, Krankheit, Unsicherheit, Angst und Ausweglosigkeiten ihres Lebens erfahrbar begleitet und hindurchgeholfen hat. „Alles haben wir, Gott sei Dank, überstanden“, und manches Mal kommt es verschmitzt hinterher: „Wer Sorgen hat, hat auch Likör…“ und der selbstgemachte Eierlikör oder anderes macht die Runde.

Wie viel Likör bräuchte es eigentlich heute, angesichts der derzeitigen Sorgen, die ich in allen Generationen höre: Die Sorge um Ausbildung und Zukunftschancen, hohe Inflation und noch höhere Energiekosten, die Ausweitung des Ukrainekrieges und die Auswirkungen auf die Nahrungsversorgung gerade der ärmsten Länder, extremer werdende idiologische Streitigkeiten und soziale Unruhen, teure Energiewende, wegrationalisierte Arbeitsplätze und Rentenloch, der gläserne und ersetzbare Mensch durch Digitalisierung, Coronavariante B…?!

Angst, so schrieb neulich ein Bekannter, sei das Schwindelgefühl der Freiheit. Wir erleben uns immer mehr als die, die immer weniger in der eigenen Hand haben, da hilft auch kein Likör oder anderes.

Petrus hat für sich und seine damaligen Gemeinden einen hilfreicheren Tipp für den Umgang mit den jeden betreffenden, notvollen Fragestellungen: „Alle eure Sorge werft auf IHN, denn Gott sorgt für euch!“ (1. Petrus 5,7)

Dabei ist diese Sichtweise eben kein „Opium für das Volk“, sondern erprobte Lebenserfahrung und erlebbare Befreiung aus unseren beschränkten Sichtweisen und unserem Kopfkino, welche uns wieder handlungsfähig macht und mutig Perspektive gewinnen lässt – im Vertrauen auf Gott, der mehr Möglichkeiten hat, als wir denken, fühlen und uns vorstellen.

Denn: „Was helfen uns die schweren Sorgen, / was hilft uns unser Weh und Ach? / Was hilft es, dass wir alle Morgen / beseufzen unser Ungemach? / Wir machen unser Kreuz und Leid / nur größer durch die Traurigkeit.“, so dichtet schon Georg Neumark (vgl. Ev. Gesangbuch, Nr. 369) und weist den ersten Schritt in ein getrostes, hoffnungsvolles und wieder freies Leben, indem er fortfährt: „Man halte nur eine wenig stille / und sei doch in sich selbst vergnügt (zufrieden), / wie unsers Gottes Gnadenwille, / wie sein Allwissenheit es fügt; / Gott, der uns sich hat auserwählt, / der weiß auch sehr wohl, was uns fehlt“.

Das ist eine Perspektive in unseren Nöten, weil Gott, der in Jesus Christus alle Not und Tod besiegt hat, diese nie das letzte Wort behalten lässt, sondern sein Leben sich durchsetzt bis in Ewigkeit. Das hilft zu neuem Handeln unter uns: „Sing, bet und geh auf Gottes Wegen (sein Frieden, seine Liebe, seine Fürsorge sind Vorbild für alle), / verricht das Deine nur getreu (Nächstenliebe, Bewahrung, Vergebung) / und trau des Himmels reichem Segen (der nie aufhört, nur von uns ungerecht verteilt wird), / so wird er bei dir werden neu (jeden Tag erprobbar). / Denn welcher seine Zuversicht / auf Gott setzt, den verlässt er nicht!“

Wer sorgen hat, braucht keinen Likör, … sondern Gott!

Pastor Robert D. Mogwitz
Ev.-Luth. Christusgemeinden (SELK)
Pfarrbezirk Uelzen-Molzen