Wir Narren!


Wort zum Sonntag, 02.10.2022 (16. So. n. Trinitatis, Erntedankfest)

von Christoph Scharff-Lipinsky, Kirchenkreisjugendpastor
Pastor Christoph Scharff-Lipinsky (Foto: Christoph Paul)

Wofür könnten eigentlich unsere jungen Menschen am Erntedankfest danken? Junge Menschen leben in einer vertrackten Situation. Sie sind durch Schule und Massenmedien super informiert. Sie sind miteinander in Beziehung durch digitale Kommunikation. Und sie sind in einer Weise von den Erwachsenen abhängig, die für sie schwer zu ertragen ist. Besonders unerträglich ist die Situation für die Jungen geworden, weil die politische Situation so beängstigend ist, dass man sich eigentlich nur noch die Decke über den Kopf ziehen möchte. Aber die Angst vor einer viel zu schnellen Veränderung unseres Weltklimas, die zu Massenmigration und Kriegen führen muss, ist noch viel erdrückender.

Eine, Greta Thunberg, hat das vor Jahren nicht mehr ausgehalten. Sie hat sich einfach an einem Tag der Erwachsenenwelt verweigert. Sie tut es bis heute. Und sie hat damit eine weltweite Befreiungswelle der jungen Menschen hervorgerufen. Auch letzte Woche haben wieder viele junge Menschen weltweit für eine andere Klimapolitik demonstriert. Scheinbar hören ein paar Politiker auf ihre Stimmen. Doch ich befürchte, die anderen hören lieber auf Stimmen, die schnellen Profit versprechen.
 
Ich bin kein Politiker. Ich bin Pastor. So schaue ich in die Bibel und muss nicht lange suchen. Da ist ein Bauer, der füllt sein Leben lang seine Scheunen, damit er genug zu essen hat und spricht: „Hurra, ich habe genug zu essen und zu trinken. So will ich es mir gut gehen lassen.“ Doch er stirbt einen frühen Tod. Gott spricht zu ihm kein Trostwort, sondern zischt ein verächtliches „Du Narr! Du hast nichts, was für mich eine Rolle spielt. Der Himmel ist für dich verschlossen.“

Keine Bauernschelte! Der Bauer steht an dieser Stelle für uns alle. Wir sammeln für uns, halten für uns fest, wollen alleine gut leben. Gegen solch eine egoistische Lebenseinstellung predigt Jesus schon vor zweitausend Jahren. Der Himmel wächst nur, wenn wir als „WIR“ denken und handeln. Und „WIR“, das sind nicht die Deutschen oder die Europäer oder die ... . Wer in solchen Kategorien denkt, hat nichts verstanden. Es geht Gott um das Leben, in dem wir Menschen wie Fäden eines viel größeren Gewebes sind. Zerstören wir das Gewebe, zerstören wir auch die Lebensgrundlage von uns.

Klingt das zu holzschnittartig, zu einfach? Sicher, aber die Lösung unserer Probleme ist im Grunde einfach. Wir Narren! Die Lösung kann nur in einer Gemeinschaft liegen, die weltumspannend denkt und das göttlich gewebte Leben leben lässt.

Und mein Dank am Erntedankfest? Ich denke an die vielen jungen Menschen, die sich auf den Weg machen, unsere Welt für uns alle zu retten. Gott sei Dank! 

Christoph Scharff-Lipinsky,
Kirchenkreisjugendpastor