„Ist da jemand?“


Wort zum Sonntag, 09.10.2022 (17. So. n. Trinitatis)

von Vikar Manuel Ziggel
Manuel Ziggel (Foto: privat)

Eine Mailboxnachricht: „Bitte, ruf zurück“. Doch nichts dergleichen passiert. Er starrt aus dem Fenster. Alles ist grau. Selbst das Meer. Das einzig freundliche im Raum ist sein Hund. Aber ihn beachtet er kaum.

Er soll endlich fertig werden, denn die Produktion wartet schon auf einen neuen Song. Sichtlich tut er sich schwer damit ein paar Zeilen zu schreiben. Sowohl seine Muse als auch seine Muße sind weg.

Währenddessen hört man folgende Zeilen des Sängers Adel Tawil: „Ist da jemand, der mein Herz versteht? Und der mit mir bis ans Ende geht? Ist da jemand, der noch an mich glaubt? Ist da jemand? Ist da jemand?“ 

Da ist jemand. Am Ende des Musikvideos sieht man Einblendungen mit seinem Hund, der ihn beim Spielen zum Lachen bringt. Außerdem tanzt und musiziert Adel Tawil im Sonnenlicht mit einer in Weiß gekleideten Cellistin. Seine Muse ist zurückgekehrt. Aus heiterem Himmel und hier als Person dargestellt. Das ist ein schönes Gefühl. Plötzlich hat er wieder neuen Schwung, Augen für seinen Hund und die Erkenntnis: Da gibt es mindestens einen, für den er wichtig ist. In der Bildsprache des Musikvideos kehren alle Farben und das Licht zurück.  Adel Tawil wird wieder ein neues Lächeln ins Gesicht gezeichnet und Freude geschenkt, bei dem was er tut. Woher, das erfährt man nicht. Aber im letzten Refrain heißt es: „Da ist jemand.“

„Ich aber sagte, ich habe mich vergeblich bemüht, für nichts und wieder nichts meine Kraft vertan.“ - Diese Worte werden einem sehr frommen Menschen zugeschrieben. Wenn man so will einer Art biblischem Max Mustermann, einer Beispielfigur, die sich selbst „Gottesknecht“ nennt. Dieser Gottesknecht ist gescheitert. Wobei, ist eigentlich gar nicht so wichtig. Er wollte etwas Gutes erreichen. Den Menschen erzählen, dass Gott ihnen zu Hilfe kommt. Dazu beitragen, dass sich die Lebensverhältnisse verbessern. Sich einsetzen für die Gemeinschaft, für Frieden und Gerechtigkeit.

Und dann sagt Gott: „Ja, du bist mein Knecht. (…) Aber das ist mir zu wenig: Ich mache dich auch zu einem Licht für die Völker.“ Mit anderen Worten, da ist jemand, der an dich glaubt. Du schaffst das und noch viel mehr.

Vielleicht braucht Gott manchmal keine Worte dafür. Vielleicht glaubt Gott auch an dich, an mich, an uns, wenn es einem so ergeht, wie in dem Musikvideo.

Manuel Ziggel,
Vikar in den Kirchengemeinden Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg