Volkstrauertag 2022


Wort zum Sonntag, 13.11.2022 (Vorletzter So. im Kirchenjahr)

von Pastor Armin Sauer, Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Petri Uelzen
Armin Sauer (Foto: Hanns-Martin Fischer)

Am Sonntag, 13. November, begehen wir den Volkstrauertag. In Deutschland ist dies ein staatlicher Gedenktag. Landesweit versammeln sich Menschen an diesem Tag in zahlreichen Orten auf Friedhöfen oder an Gedenkorten sowie zu Gottesdiensten. Kränze werden niedergelegt. Die zentrale Gedenkstunde im Deutschen Bundestag erinnert an die Opfer von Gewalt und Krieg aller Nationen.

„Selig sind, die Frieden stiften“, sagt Jesus (Matthäus 5, 9). Selig die Pazifisten, die Friedensmacher. Und mehr noch: In derselben Bergpredigt ruft Jesus sogar zur Feindesliebe auf: „Liebt eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“ (Matthäus 5, 44f). 

„Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein“, so hat der Ökumenische Rat der Kirchen kurz nach dem 2. Weltkrieg 1948 in Amsterdam formuliert. Krieg bringt unendliches Leid über Menschen. Krieg zerstört Leben, zerstört Beziehungen, zerstört Wohnhäuser, Kulturgüter und notwendige Infrastruktur. Krieg ist eine monströse Macht der Vernichtung.

Seit dem 24. Februar 2022 ist Krieg in Europa: Russland hat die Ukraine völkerrechtswidrig überfallen. Abend für Abend erschüttern mich die Bilder der Zerstörung aus der Ukraine. Bilder, die ich kaum ertragen kann. Ich spüre meine ganze Hilflosigkeit und Ohnmacht – und auch meine Wut auf den, der für diese Aggression verantwortlich ist.

Und dann fällt mir ein: Auch Gebete sind eine Macht. Die Ereignisse im Herbst 1989 kommen mir in den Sinn. Die Gebete waren ein wichtiger Teil dieser friedlichen Revolution. Veränderung ist friedlich möglich. Die Vision vom Frieden ist keine weltfremde Illusion.

Heute kann ich für die Opfer des Krieges in der Ukraine beten. Und: Ich kann den vielen Flüchtlingen, die aus der Ukraine in unser Land kommen, freundlich begegnen – auch das ist ein Beitrag zum Frieden.

Als Christinnen und Christen schauen wir aus der Not dieser Tage auf Jesus Christus. Wir vertrauen auf seine Versöhnung und seinen Frieden. Der Glaube ist eine Kraft der Versöhnung über Grenzen hinweg. Im Vertrauen auf Jesus Christus sind Christinnen und Christen gerufen und befähigt, Menschen des Friedens zu sein. Der Glaube weiß: Hass und Gewalt, Unrecht und Vertreibung werden am Ende nicht das letzte Wort behalten. Er, der Überwinder, der Erlöser, stärkt uns, Botschafterinnen und Botschafter des Friedens zu sein. Denn: „Er ist unser Friede.“ (Epheser 2, 14). 

Pastor Armin Sauer,
Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Petri Uelzen