Die Christrose: Hoffnungszeichen in trüben Zeiten


Wort zum Sonntag, 11.12.2022 (3. Advent)

von Pastorin Birgit Hagen, Klinikseelsorgerin am HGZ Bad Bevensen

Wir haben sie vor Jahren geschenkt bekommen und in unseren Garten gepflanzt: Wenn es kalt wird, sind ihre grünen Blättchen noch eingerollt. Kaum zu sehen unter all dem Laub. Aber irgendwann ist es dann so weit: Ihre kleine leuchtend weißen Knospen kämpfen sich durch das Laub und strecken sich dem Sonnenlicht entgegen. Verborgen vor unseren Augen hat schon längst etwas Neues begonnen. Jedes Jahr, wenn ich sie in den Wochen vor Weihnachten entdecke, freue ich mich.

Die Christrose ist für mich eine Hoffnungsblume. Wenn fast alles aufgehört hat zu blühen, entfaltet sie ihre Blätter und Blüten, die gerade noch völlig versteckt waren. Und selbst wenn Schnee und Frost sie für längere Zeit bedecken, geht sie daran nicht zugrunde. Sobald es taut, strahlen ihre weißen Blütenblätter. Weiß ist die Farbe der Engel und aller guten Mächte (Martin Luther). Sie erinnert mich daran, dass es auch in diesen dunklen Zeiten eine Hoffnung gibt. Ein Licht, das auch dann da ist, wenn wir nur noch schwarzsehen. Eine Kraft aus einer anderen Welt, aus Gottes Welt, die das Dunkel durchbricht und darauf wartet, von uns wahrgenommen zu werden wie unsere Christrose draußen im Garten. Entdecken kann ich es in vielen kleinen, oft völlig unerwarteten, unspektakulären Zeichen, die mich aufmerken lassen. Die mich trösten und ermutigen. Mich aufrichten und zuversichtlich stimmen: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“. (Lukas 21,28)

Die Adventszeit richtet unseren Blick auf solche Hoffnungszeichen. Sie sind wichtig, damit wir nicht zerbrechen und kaputtgehen. Sie führen uns zu dem, der in der tiefsten Nacht in unsere Welt gekommen ist und dessen Liebe stärker ist als alle Dunkelheiten dieser Welt.

Wir sind inzwischen umgezogen. In unserem Garten blüht wieder eine Christrose. Wir haben sie zum Abschied aus Uelzen geschenkt bekommen. Was für ein wunderbares Zeichen in Zeiten wie diesen – und für unseren Start in eine neue Lebensphase! 

Pastorin Birgit Hagen,
Klinikseelsorge im HGZ