Freuet euch! Der Herr ist nahe!


Wort zum Sonntag, 18.12.2022 (4. Advent)

von Pastor Hermann-Georg Meyer, Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen
Hermann-Georg Meyer (Foto: privat)

Lang ist sie diesmal, die Zeit bis Weihnachten. Zeit der Vorfreude und der Erwartung. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier … - nach und nach leuchtet ein Licht mehr am Adventskranz. „Freuet euch in dem Herrn allewege!“, fordert uns der 4. Advent auf. „Der Herr ist nahe!“

Kann man das so einfach in diesen bewegten Zeiten?! Allewege sich freuen?

Sicher gibt es bei den vielen Wegen, die wir gehen, bestimmt auch manche, über die wir uns freuen. Die entdeckungsreichen Wege durch schöne Landschaft im Sommer, die Wege durch klirrende Kälte im milden Wintersonnenlicht, wie in den vergangenen Tagen mit Reif und Eisblumen – oder ganz andere Wege: die ersten Schritte der Enkelkinder, der Weg nach Hause nach einer Zeit im Krankenhaus, die geraden Wege ins Leben, die Kinder und Enkel gehen trotz aller Herausforderungen.
Die Wege, die die Familie zusammenführen und wo eine am andern Anteil nimmt, sich freut über das, was dem andern gelungen ist. Die Wege mit guten Freunden, wo wir uns Zeit nehmen für ein gutes und tiefgehendes Gespräch. Eine Menge Wege, über die wir uns freuen können – aber allewege?

Was ist mit den Wegen, die wir nicht gern gehen? Strecken mit Krankheit, Not oder Einsamkeit. Oder wo wir mutlos sind? Strecken, wo wir uns regelrecht verrannt haben, wo alles daneben geht. Die mühsam sind, weil die Last, die wir mitschleppen, uns müde und verdrossen macht. Sollen wir uns da etwa auch freuen? Ein Dauerlächeln aufsetzen, damit keiner sieht, wie es hinter der Fassade aussieht?! – Nein, ich denke nicht! Denn der Grund zum Freuen wird uns ja noch dazu gesagt: Der Herr ist nahe!

Der, von dem Maria singt: Er erhebet die Niedrigen. Er füllt die Hungrigen mit Gütern. Er gedenkt der Barmherzigkeit. Wie er es versprochen hat. Er kommt, hält Wort – und damit fällt auf die Wege unseres Lebens ein ganz neues Licht. Auch auf die mühevollen und schwierigen. Sie werden nicht gleich zu glatten, einfachen Wegen, aber es ist einer da. Er ist uns nahe, geht mit, drängt nicht, sondern hält uns den Arm hin, stützt uns – und hat ein gutes Wort für uns, auch wenn wir mal gestolpert sind: Trost, der bis ins Herz reicht. Er weiß das Ziel und führt uns dorthin, wenn wir es wollen.

Ob wir ihn nun als Mann am Kreuz wahrnehmen oder als das Kind in der Krippe, ER bleibt derselbe, der uns Menschen nahe ist – damit Friede und Freude in unseren Herzen einkehren kann.

Ihnen allen viele lichtvolle Momente in den kommenden Tagen und weihnachtliche Freude im Herzen!

Hermann-Georg Meyer
Pastor in Bad Bevensen und Medingen