Ein Kommen und Sehen


Wort zum Jahreswechsel, 31.12.2022 – 01.01.2023 (Silvester/Neujahr)

von Pastor P. Holger Holtz, Ev.-luth. Kirchengemeinde Hanstedt I
Holger Holtz (Foto: Isabell Massel)

Seit Jahren hoffe ich, dass das kommende Jahr ruhiger, sicherer und besser wird, als das aktuelle. Corona ist irgendwie noch da und niemand weiß, wie diese Infektion weitergeht. Der schreckliche Krieg in der Ukraine, der viele Ängste auslöst. Steigende Kosten überall. Dann sind da ja noch die eigenen Themen, die geklärt werden wollen. Zuviel? 

Ich habe in diesem Jahr öfter das Gefühl gehabt: Wenn ich an meine Grenzen gekommen bin, kam einer und hat die Grenze verschoben. Jetzt sind wir am Jahreswechsel angekommen. Gibt es Zeit zum Durchatmen? Zur Ruhe kommen? Zeit für die Seele und auch für den Geist? Welche Hoffnungen und Träume habe ich, wenn ich an das kommende Jahr denke?

Dieses Mal mache ich mir nichts vor: Unsicherheit ist und bleibt Normalität. Diese Welt wird sich weiter verändern und ich bin mitten drin.
Wenn wir das Jahr 2022 verlassen, schaue ich zurück mit der Jahreslosung: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“ Im Blick zurück merke ich: Gott hat mir das gesagt. Komm zu mir, sagt er. Das geht immer. Wenn ich die Augen für einen Moment schließe und bete, zum Beispiel. Oder wenn ich in die Kirche gehe und damit in einen Raum eintauche, der mir Gottes Nähe so wunderschön zeigt. Wenn ich dann bei ihm bin, merke ich eine Kraft, die mich hält. Auch dann noch, wenn die ganze Welt aus den Fugen gerät.

Ich ahne schon, dass 2023 weitere Herausforderungen bereit halten wird. In das neue Jahr gehe ich mit einer neuen Jahreslosung: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ (1. Mose 16,13) – Diesmal erwarte ich gar nicht mehr alte Normalität. Schön, dass Gottes Einladung aus 2022 auch im neuen Jahr noch gelten wird. Mehr sogar: Er sieht mich. An jedem Ort und in jedem Moment sieht Gott mich. Mir tut das so gut!

Vieles löst Angst und Stress in mir aus. Ich werde bestimmt wieder Zeiten haben, in denen ich ihn nicht sehe, weil so vieles anderes um mich herum ist. Selbst dann kann ich ganz beruhigt sein, weil er mich nicht aus seinen Augen verliert.

Gibt es Zeit zum Durchatmen? Zur Ruhe kommen? Zeit für die Seele und auch für den Geist? Ja, die gibt es. Gott, hat sie für uns schon vorbereitet. Solche Zeiten sind sehr wichtig. Ich kann Sie nur ermutigen, diesen wunderbaren Gott im neuen Jahr (wieder) zu entdecken und sich von ihm ansehen zu lassen. So viel Versöhnung, Kraft und Hoffnung kommt von ihm. Das tut gut. Ein Kommen und Sehen kann das neue Jahr werden. 

Ihr Holger Holtz
Pastor in der Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Georg, Hanstedt I
und im Missionarischen Zentrum
 Hanstedt I