Das Licht des Sterns von Bethlehem


Wort zu Epiphanias, 06.01.2023

von Pastor Tobias Heyden, Ev.-luth. Kirchengemeinden Altenmedingen, Bienenbüttel und Wichmannsburg („Drei Ritter“)
Tobias Heyden (Foto: Ulrich Niehoff)

Ein Stern ist anders, und zwar im Vergleich zu allem. Kein Stern gleicht einem anderen Stern. Auch das Leuchten eines jeden Sterns ist anders. Von unserem menschlichen Auge kaum wahrzunehmen. Vor allem nicht in einer solch lichterdurchfluteten Welt. Die meisten Sterne sehen wir ja noch nicht mal. Wenn wir aber genau hinschauen, dann kann man es erahnen. Da gibt es Sterne die leuchten grünlich oder rot. Da gibt es Sterne, die funkeln und glitzern und andere stehen da, wie erstarrt. Da gibt es Lichter am Himmel, die stehen ganz fest, und Lichter, die wandern. Die einen schneller und die anderen langsamer und nicht jedes Licht ist auch tatsächlich ein Stern. Da gibt es die gefallenen Sterne – die Sternschnuppen. Da sind Sonnen und Monde und Planeten. Andere rasen vorbei und entpuppen sich als Satelliten – die kommen dann bald wieder. Da sind Lichter, die sind Milliarden Jahre alt und überragen alles, was wir an Zeiten kennen. Sie haben ihr Licht zu uns geschickt, da steckte unsere eigene Welt noch in den Kinderschuhen. Und es gibt die Sterne, die sich zusammentun und uns die Sternenbilder an das Firmament zaubern.

Manche meinen, sie könnten mit den Sternen unseren Charakter und unser Sein deuten – das halte ich persönlich für Humbug. Andere wieder glauben in den Sternen die Zukunft lesen zu können. Dem wiederum kann ich mich nicht ganz entziehen. Denn schließlich liegt ein Kern dessen in unserer Bibel.

Drei waren unterwegs. Drei Magier, drei Könige, drei Weise – je nachdem, wie man sie sehen will. Drei Sternendeuter sind es auf jeden Fall. Aus dem Morgenland folgen sie einem Stern, weil sie glauben, in ihm die Zukunft zu sehen. Ein neuer König, der geboren wird. Ein Kind im Stall in Bethlehem. Dorthin führt sie der Stern, dem sie so hartnäckig und so treu gefolgt sind.

Wenn ich in die Sterne schaue, dann sehe ich nicht die Zukunft. Das übersteigt meine Kompetenz. Wenn ich in die Sterne schaue, dann sehe ich das Wunder der Schöpfung. Die unermessliche Größe des Universums, das meine schiere Vorstellungskraft völlig übersteigt. Wenn ich in die Sterne schaue, dann zeigt sich mir nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit. Das Licht, das schon war, lange bevor es mich gab, und das durch die Äonen des Universums in meine Welt geschickt worden ist und uns allen leuchtet.

Heute am Dreikönigstag, auch Epiphanias genannt, wünsche ich uns im beginnenden neuen Jahr, dass uns alle dieses Lichtwunder gleichsam trifft und uns Frieden bringt, wie den Menschen damals im Stall in Bethlehem.

Pastor Tobias Heyden
Ev.-luth. Kirchengemeinde, Altenmedigen, Bienenbüttel und Wichmannsburg („Drei Ritter“)