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Wort zum Sonntag, 08.01.2023 (1. So. n. Epiphanias)

von Pastor Niklas Schilling, Ev.-luth. Kirchengemeinden Rosche und Rätzlingen
Niklas Schilling (Foto: Susi Schilling)

Einige Tage ist das Jahr 2023 jung. Der Übergang ist geschafft, oder?

Manche Gedanken aus 2022 begleiten mich weiter. Die Frage nach der Gesundheit lieber Menschen. Das Glitzern des Lamettas am Weihnachtsbaum. Das Schweigen eines Freundes am Telefon.
Wie oft stehe ich zwischen den Stunden, Tagen und Wochen? Zwischen den Lebensabschnitten?

Neue Aufgaben kommen auf mich zu. Altes versuche ich hinter mir zu lassen.

Ich lese die Jahreslosung für das Jahr 2023. – Ein starkes Wort. 
Es steht im Alten Testament im 1. Buch Mose, Kapitel 16, Vers 13:
„Du bist ein Gott, der mich sieht.“

Was für eine großartige Selbsterfahrung! Hagar ist die Frau, die sie macht. Eine Ägypterin in der Fremde in Israel. Sie steht im Mittelpunkt und bekommt eine große Aufgabe. Sie trägt für Abraham und Sara ein Kind aus. – Konflikte bleiben nicht aus. Hagar flieht in die Wüste. Gerät wieder ins Abseits. Muss Einiges aushalten. Einsamkeit. Dunkle Momente. – Es braucht eine Zeit, bis das Licht kommt. Heilung brauchen wir immer wieder. – Gott zieht sie zurück ins Leben. 

Manches teilen wir mit Hagar. Wüstenmomente. Gnadenmomente. Schweres und Leichtes. Den Wunsch, dass mich jemand wahrnimmt.

Alles ist umfangen von Gott, der mich sieht. Und dich. So wie wir sind. Mutig und verzagt. Gebrochen und geklebt. Glaubend und zweifelnd.

Gehalten und getragen bist du! Das bleibt! Zwischen den Stunden, Tagen und Wochen. Zwischen alten und neuen Herausforderungen. Zwischen Sehnsüchten und Geschichten.

„Du bist ein Gott, der mich sieht“. – In dein Herz geschrieben. Auch im Jahr 2023. 

Pastor Niklas Schilling,
Ev.-luth. Kirchengemeinden Rosche und Rätzlingen