Recht und Gerechtigkeit statt Opfer


Wort zum Sonntag, 15.01.2023 (2. So. n. Epiphanias)

von Pastor Mathias Dittmar, Suderburg
Mathias Dittmar (Foto: privat)

Recht und Gerechtigkeit tun ist dem HERRN lieber als Opfer. (Sprüche 21,3)

Dieses ist nicht der 21,3. Spruch des neuen Jahres. Hier wird auch keiner „vom Pferd“ erzählt, wie es die Künstlerin in ihrer Blog-Erklärung zu ihrem zweiten Uelzener Adventsfenster tat. Der Satz von Recht und Gerechtigkeit ist der Herrnhuter Leitspruch für diesen Sonntag. Ich vermeide den Begriff „Losung“. Der könnte eine gänzlich falsche Deutung hervorrufen, wie das Bild vom Pferd, das sich aus einem Baum löst. Offensichtlich war der Bibeltext aus Jesaja 11, auf den sich das Lied „Es ist ein Ros entsprungen“ bezieht, in Vergessenheit geraten.

Aber mal ernsthaft: Recht und Gerechtigkeit statt Opfer, das waren schon vor fast 3000 Jahren krasse Gegensätze. Es sind die oft unbeachteten Bibelstellen, die von einer tiefen Sehnsucht nach Recht und Gerechtigkeit sprechen.

Aber Achtung, hier geht es nicht um Recht und Ordnung. Das wäre nur die gewaltsame Durchsetzung des Rechts des Stärkeren. Die Armen und Schwachen gerieten und geraten bei einem „Law-and-Order“-System regelmäßig unter die Räder der Mächtigen.

Der erwähnte Jesajatext (Jesaja 11) beschreibt eine tiefe Sehnsucht: Der abgehackte Stamm wird einen neuen Zweig hervorbringen. Neues Leben statt Tod und Verderben, Erkenntnis, Weisheit und Verstand in Zeiten des Irr-Sinns und der Vernichtungslust. Keine Opfer, kein Kanonenfutter, keine Hungertoten, kein Artensterben! Stattdessen ein friedliches Zusammenleben. Global. Die ganze Schöpfung inbegriffen.

Das ist die immer wiederkehrende Hoffnung. Darauf zielt auch die aktuelle Sonntagslosung. Die Menschen, die diese Hoffnung quer durch die Bibel zum Ausdruck brachten, waren sich sicher, dass Gott dabei auf ihrer Seite stand. Ihn nannten sie „HERR“, was so viel bedeutet, wie: Ich bin für dich da, wie ich immer schon für dich da war und für alle Zukunft für dich da sein werde! Dieser HERR fordert keine (Menschen-)Opfer. Damals nicht und heute auch nicht, damit man auch in diesen Tagen mit einstimmen kann in den alten Hoffnungsruf: Ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Heil. 

Bleiben Sie wohlauf!

Ihr Pastor Mathias Dittmar
Ev.-luth. Kirchengemeinde Suderburg