Konfirmationssprüche


Wort zum Sonntag, 22.01.2023 (3. So. n. Epiphanias)

von Pastor Frank-Peter Schultz, Ev.-luth. Kirchengemeinden Oldenstadt-Groß Liedern und Molzen
Frank-Peter Schultz (Foto: privat)

Gerade suchen Konfirmandinnen und Konfirmanden ihren Spruch für ihre Konfirmation. Das war nicht immer so. Früher wurde er zugeteilt. Viele konnten sich aber dennoch mit ihm anfreunden. Der Spruch bekam für ihr Leben Leitmotiv.

So kann er auch beim Beerdigungsgespräch hilfreich sein. Das ganze Leben und Trachten durch ihn schauen. Verstehen, wessen Geistes Kind er oder sie war. Und woran der Verstorbene Ausrichtung fand.

Mein Spruch kommt im Predigttext für den kommenden Sonntag vor. Paulus schreibt im Brief an die Gemeinde in Rom im 1. Kapitel Vers 16: „Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben, die Juden zuerst und ebenso die Griechen.“

Er ist Begleiter auf all meinen Studienreisen nach Israel, auf der Spur der jüdischen Bevölkerung in Afrika und Europa. Auch in muslimisch geprägten Ländern wie der Türkei, Marokko, ja selbst im Balkan bin ich nicht bange, zu meinem Spruch zu stehen. Er gibt mir Identität. Mein Spruch macht mich authentisch begreifbar und aber auch angreifbar. Der Geist des Spruches aktiviert mich, solidarisch zu sein. Er lässt mich innerlich wachsen. Auch wenn mein Äußeres vergeht.

Es heißt im Römerbrief: den Juden zuerst und ebenso den anderen. In dieser Zeit wird seine Kraft deutlich. Wir begehen am Freitag, 27. Januar, den Holocaust-Gedenktag am Rathaus. Konfirmanden begleiten mich mit Fahrrädern ins Herz von Uelzen zum Gedenken der Befreiung des Konzentrationslagers Ausschwitz durch russische Truppen. Wo Anne Frank mit ihrer Familie war. Wo Anne Franks Mutter ums Leben kam. Weil sie nichts aß, um ihr bisschen Brot ihren Töchtern zu geben. Von dort kamen Anne und Margot Frank ins Lager nach Bergen-Belsen. Beide starben dort an Typhus.

An diesem Wochenende, jetzt gerade, sind erstmals Konfirmanden aus der Kirchengemeinde Molzen-Oetzen im Anne-Frank-Haus in Oldau. Sie gehen den Spuren von Anne und Margot Frank nach. Und den Weg der unzähligen Opfer eines gottgläubigen Volkes, was ausgemerzt werden sollte.

Der Antichrist wollte ihnen die Kraft und Seligkeit nehmen. Wie auch den Christuskleindkindfiguren in den Kapellen Groß Liedern und Oetzen die Segenshaltung, die rechte Hand des Gottessohnes kappen. Aber so lässt Gott sich nicht „handicappen“.

Die Konfirmanden werden ihren Spruch in Bergen-Belsen finden. In der Konfirmation wollen sie sich den Segen Gottes zusprechen lassen, offen bleiben für Gottes Wirken in ihrem Leben und seine Liebe in diese Welt tragen. Sie werden den Weg des Glaubens weitegehen wollen.

Können Sie, liebe Leser, sich an Ihren Konfirmationsspruch erinnern?

Pastor Frank-Peter Schultz,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Oldenstadt-Groß Liedern,
Ev.-luth. Kirchengemeinde Molzen