Hoffnungsleuchten


Wort zum Sonntag, 29.01.2023 (Letzter So. n. Epiphanias)

von Pastor Johannes Luck, Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen
Pastor Johannes Luck (Foto: Jochen Quast)

Jetzt geht die Weihnachtszeit also endgültig zu Ende … und es wird Zeit, den Weihnachtsbaum aus der Wohnung zu tragen. »Wie?«, fragen Sie sich jetzt vielleicht. »Wieso Weihnachten? Das ist doch schon lange vorbei!« Ja, da haben Sie natürlich Recht – und gleichzeitig auch nicht. Denn früher kam in großen Teilen Deutschlands der Weihnachtsbaum erst am 2. Februar, also vierzig Tage nach dem Weihnachtsfest, aus der Wohnung. In einigen katholischen Gegenden wird das heute auch noch so gepflegt.

Doch warum gibt es diesen Brauch? Weihnachten liegt doch schon so lange zurück! Auch wenn in unserer Familie der Weihnachtsbaum nicht bis zum 2. Februar in der Wohnung bleibt – das wären dann doch zu viele Nadeln, die man ständig wegfegen müsste – bleibt auch bei uns etwas von Weihnachten zurück, das den ganzen Januar über an das besondere Dezemberfest erinnert: Die Sterne. Die ganzen letzten Wochen haben uns ein paar leuchtende und funkelnde Sterne durch die dunklen Januartage oder vielmehr -nächte getragen. Ihr Licht hat hell gegen die dominante Dunkelheit des Winters angeleuchtet.

Das ist etwas, das uns in den dunklen Winterwochen immer sehr gut tut. Die Sterne funkeln von Weihnachten, von der Hoffnung, die von dieser besonderen Nacht ausgeht, von einem göttlichen Licht, das in unsere Herzen hineinscheint und es fröhlicher macht. Dem gebe ich gerne vierzig Tage Zeit nachzuwirken. Zeit, sich so richtig in das neue Jahr einzuwirken, damit auch die kommenden Monate hoffnungsvolle werden. Damit ich weihnachtlich hoffen kann, auch im Frühling, Sommer und Herbst. Damit ich meine Hoffnung trotz schlechter Nachrichten und Alltagsstress nicht verliere …

Und jetzt? Jetzt landen auch bei uns die Weihnachtssterne wieder in ihren Schachteln. Ihr Licht hat sich ja vierzig Tage tief in unsere Herzen eingebrannt. Und man mag fast den Eindruck haben, dass sie auch der Natur etwas Licht verliehen haben. Denn in diesen Tagen kann man zum ersten Mal wieder spüren, dass die Nächte sich wieder etwas mehr zurückziehen und die Tage länger hell bleiben. Ein Hoffnungszeichen: Es
wird wieder Frühling werden! Und Weihnachten werde ich »in meinem Herzen ehren und versuchen, es das ganze Jahr hindurch aufzuheben«, wie der große britische Romancier Charles Dickens im 19. Jahrhundert schrieb.

Lassen Sie uns hoffnungsvoll funkeln im nun beginnenden Februar, denn auch die Tage leuchten nun wieder stärker!

Pastor Johannes Luck
Ev.-luth. Gesamtkirchengemeinde Bevensen-Medingen