Wer ist verantwortlich?


Wort zum Sonntag, 30.04.2023 (3. So. n. Ostern, „Jubilate“)

von Michael Fendler, Schulpastor an der BBS I Uelzen
Michael Fendler (Foto: privat)

„Von uns aus sind wir dazu gar nicht fähig. Wir können uns nicht etwas zuschreiben, als hätten wir es aus eigener Kraft erreicht. Sondern es ist Gott, der uns dazu befähigt hat“, schreibt Paulus im 2. Brief an die Korinther (Kap. 3, 5). Im Hintergrund steht die Frage: Wie ist Paulus der Gemeindeaufbau gelungen? Wie hat er es geschafft, trotz nur kurzer Präsenz, die Gemeinde so zu entwickeln? Es geht um Erfolg und die Frage: Wer ist dafür verantwortlich? – Paulus? Oder wer?

Das ist eine Frage, an der wir alle vorbeikommen: Wer ist für unsere Erfolge verantwortlich? Auf wessen Fahne wollen wir sie schreiben? Und, ich möchte die Frage ausweiten auf unsere Misserfolge: Auf wessen Fahne wollen wir sie schreiben?

Dabei sind mir die schnellen, scheinbar einfachen Antworten auf diese Frage suspekt. Einfache Rezepte können vielleicht bei einfachen Fragen weiterhelfen. Was aber, wenn es darum geht, wie wir unser Leben verantwortlich leben – mit unseren Gaben und unseren Grenzen?

Auf dem Dachboden des Gemeindehauses in Eimke wurde einst eine Christusstatue gefunden. Man kann sie heute dort sehen. Sie ist stark beschädigt, die eine Hälfte wurde abgespalten. Sie ist für mich ein Bild. Der fehlende Teil, das ist mein Leben, mein Tun. Ich bin nicht alleine unterwegs. Christus geht mit mir. In all dem täglichen Auf und Ab, in dem Vergeblichen und in dem, was mich erfüllt, wirkt noch jemand anderes mit. Seine Begleitung, sein Wirken kenne ich schon aus verschiedenen Lebensstationen. Ich weiß: Manches, was erfolgversprechend anfing, wurde ein Flop. Entwicklungen, gegen die ich mich anfangs verwehrt habe, wurden bedeutsam. Unbeachtetes wurde zum späteren Fundament einer wichtigen Arbeit. Und dazu: Geschenke, die mein Leben reich machen.

So will ich offen sein für das, was mir täglich begegnet. Ausschau halten nach seiner Gegenwart in all dem. Mich immer wieder erinnern: Er will und wird in all dem wirken, was mich umgibt. Das gibt mir Kraft, hilft mir, nicht in vergangenem Erfolg und Misserfolg steckenzubleiben.

Vielleicht kann man es auch Unverdrossenheit nennen. Immer wieder aufzustehen, zu hoffen und im Vertrauen auf sein Mitgehen die nötigen Schritte zu tun.

Etwas von dieser Unverdrossenheit wünsche ich uns allen, wo wir auch tätig sind: In der Gemeinde, in der Familie oder an ganz anderen Orten.

Michael Fendler,
Schulpastor an der BBS 1 Uelzen

Christus-Statue, entdeckt auf dem Dachboden des Gemeindehauses Eimke (Foto: privat)