Was wäre, wenn ...?


Wort zum Sonntag, 10.12.2023 (2. Sonntag im Advent)

von Pastor Hans-Heinrich Heine, Johannis-und-Georgs-Kirchengemeinde Uelzen
Hans-Heinrich Heine (Foto: privat)

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich weiß nicht, ob es Ihnen bewusst ist: Das heute könnte die letzte Wochenendausgabe der AZ sein. Und das nicht, weil die Redaktion oder die fleißigen Austräger streiken oder es auch für Lokalzeitungen wirtschaftlich immer schwieriger wird. Nein, es könnte sein, dass dies die letzte Ausgabe ist, weil die Welt am kommenden Wochenende auf ihr Ende zugeht.

Ich schlage vor, Sie treffen sich am Mittwoch noch zu einer Tasse Kaffee mit all den lieben Menschen, die sie noch einmal sehen wollen. Vielleicht überlegen Sie auch, ob Sie nicht an diesem Sonntag noch einmal zum Adventsgottesdienst gehen.

Und am kommenden Sonntag fällt nicht etwa der Gottesdienst aus, nein! 
Dann feiern wir den 3. Advent vor Gottes Thron, voller Jubel und Herrlichkeit - denn am kommenden Samstag wird die Weltenuhr ablaufen und Christus kommt wieder.

Bitte überlegen Sie sich also, was bis dahin noch zu tun ist. Die Krippenspielprobe der Kinder fällt aus, das ist klar. Das Weihnachtsbasteln mit den Nachbarinnen wäre auch nicht mehr nötig. Auch Geschenke besorgen ist kein Thema mehr.

Weiter müssten wir planen: Was soll noch in Ordnung kommen in meinem Leben? Wo sollte ich eigene Schuld benennen und um Vergebung bitten?
Und ab sofort sind die Kirchen täglich geöffnet, 24 Stunden. Es wird rund um die Uhr ein Pastor oder eine Pastorin ansprechbar sein. 

Heute hier zum letzten Mal Zeitung lesen, Freunde treffen, einen Sonntagsspaziergang machen - weil diese Welt zu Ende geht und Christus wiederkommt ...  - Solche Gedanken irritieren schon gewaltig. Den meisten wird es gehen wie mir: Man hat Mühe, sich diese Möglichkeit überhaupt vorzustellen. 

Das hängt zum einen damit zusammen, dass unsere Vorstellungskraft klein ist. Zum anderen liegt es daran, dass wir in dieser Welt heimisch geworden sind und wir es hier recht behaglich haben. Und dafür dürfen wir auch dankbar sein.

Aber vergessen wir dabei nicht: Christen sind Bürger zweier Welten, dieser irdischen, zeitlichen Welt und Gottes ewiger Welt. Und darum kümmern sich Christen auch um beides. Sie engagieren sich also ganz ernsthaft bei den Dingen dieses Lebens. Und wenn Christen krank werden, gehen sie zum Arzt und sagen nicht: „Ach, was soll’s, vielleicht kommt Jesus bald wieder.“  Die Angelegenheiten dieser Welt bleiben für sie bis zuletzt wichtig.

Zugleich verlieren sie dabei aber auch die künftige Welt Gottes nicht aus dem Blick und rechnen mit der tatsächlichen Möglichkeit, dass Christus morgen wiederkäme, ganz so wie es der Wochenspruch für den 2. Advent beschreibt: „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lukas 21,28)

Ein altes Gebet kann helfen, das für unseren Alltag umzusetzen, was es heißt, Jesu Wiederkunft zu erwarten und doch das Nötige in dieser Welt zu tun: 

„Herr, gib mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Gib mir die Geduld, das zu ertragen, was nicht zu ändern ist. Und gib mir die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ 

Eine gesegnete Advents- und Wartezeit, mit beiden Beinen fest in diesem Leben und doch schon einen Schritt und Blick voraus, wünscht Ihnen 
Pastor Hans-Heinrich Heine