Jauchzet, frohlocket!


Wort zum Sonntag, 17.12.2023 (3. So. im Advent)

von Pastorin Iris Junge, ​St. Marien Uelzen
Iris Junge (Foto: Fischer)

Wir sind im Endspurt. In einer Woche ist Weihnachten. Auf den letzten Metern werden noch Geschenkelisten abgearbeitet, Weihnachtsbäume gekauft und Weihnachtsgänse bestellt. - Damit wir in dieser vorweihnachtlichen Schlusskurve nicht völlig aus der Bahn geworfen werden, gibt es viele Gelegenheiten, wieder zur Ruhe, zur Besinnung zu kommen. Zum Beispiel mit den vertrauten Weihnachtsliedern. Ob ich nun selbst singe oder singen lasse, diese wohlbekannten Melodien bringen mich wieder auf die weihnachtliche Spur.

Pauke, Flöten, Oboen, Trompeten und schließlich setzt der Chor ein: „Jauchzet, frohlocket! Auf preiset die Tage!“ Mit dieser Aufforderung erklingt das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach nun schon seit fast 300 Jahren. Uraufgeführt wurde es in der Weihnachtszeit 1734 in Gottesdiensten in Leipzig. Seitdem ist es unzählige Male aufgeführt worden. Und auch in diesem Jahr wird es wieder zu hören sein: am 3. Advent in Uelzen und am 29. Dezember in Ebstorf.

Mit den fünf Paukenschlägen und „Jauchzet, frohlocket!“ rüttelt Bach uns auf, um die alte, biblische Botschaft neu zu hören. Er nimmt uns mit hinein in die uralte Weihnachtsgeschichte und in die Freude über die Geburt Christi. Ja, es klingt fast wie ein Triumphzug, mit dem der neue König einziehen will - in unsere Welt und in unsere Herzen.

Dabei wusste Bach nur zu gut, wie mühsam ein Herz in Weihnachtsstimmung kommt. Als er dieses Oratorium komponierte, hatte er schon viele Schicksalsschläge einstecken müssen. Mit neun Jahren war er Vollwaise. Seine erste Frau starb jung, und die meisten seiner Kinder musste er schon im Kindesalter zu Grabe tragen.

Er wusste, wie schwierig - ja wie unmöglich - es manchmal ist, zu jauchzen und zu frohlocken. Aber er wusste auch, dass wir mit der Musik einen innigen Zugang zu Weihnachten und zu dem Kind in der Krippe finden. Und deshalb kleidet er die Weihnachtsbotschaft in Klänge und Rhythmen, die in uns etwas zum Klingen bringen, die trösten, aufrichten und uns direkt zur Krippe führen, so wie damals die Hirten aus der Dunkelheit der Nacht ins Licht zum Kind:

„Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben.“
Und weiter heißt es:
„Ich lag in tiefster Todesnacht, du warest meine Sonne,
die Sonne, die mir zugebracht Licht, Leben, Freud und Wonne.
O Sonne, die das werte Licht des Glaubens in mir zugericht,
wie schön sind deine Strahlen.“

Den Text hatte Paul Gerhard zwar schon 80 Jahre zuvor verfasst, aber bekannt und vertraut wurde er uns erst, als er von Bach vertont wurde.

Ich weiß nicht, welche Weihnachtsmusik Sie im Herzen anrührt. „O, du fröhliche“, „Stille Nacht“, „Süßer die Glocken nie klingen“? Es gibt viele Weihnachtslieder, die den Inhalt und die Bedeutung der Weihnachtgeschichte neu erschließen. Weihnachtslieder besingen den Gott, der ohne uns nicht sein will und deshalb Himmel und Erde in Bewegung setzt, um bei uns zu sein und seine Friedensbotschaft unter uns lebendig zu halten. 

Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und friedvolles Weihnachtsfest.

Pastorin Iris Junge,
St. Marien Uelzen